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Dienstag, 22. Mai 2018

[Rezension] Play to live - Gefangen im Perma-Effekt von Dmitry Rus

Titel: Gefangen im Perma-Effekt
Reihe: Play to live
Band: 1
Autor: Dmitry Rus
Genre: Science Fiction
Erscheinungsdatum: 12.03.2018
Seiten: 448
Verlag: Heyne
Format: Paperpack
ISBN-13: 978-3-453-31907-3
Originalpreis: 12,99€

Kurzbeschreibung:
Russland in der nahen Zukunft. Die Spieleindustrie hat immer neue Möglichkeiten erschaffen, sich mit allen Sinnen der virtuellen Realität hinzugeben. Doch für Max, einen jungen Mann in Moskau, heißt Wirklichkeit auf einmal: Krebs, im Endstadium. Ein Schicksal, auf das Max so gar keine Lust hat. Und so klinkt er sich in das Online-Rollenspiel AlterWorld ein, um dort mittels des Perma-Effekts weiterzuleben. Für immer gefangen in einer digitalen Parallelwelt - denn wer seine Ewigkeit hier verbringen will, muss sich hochleveln und Verbündete finden ... Das Abenteuer beginnt!

Montag, 14. Mai 2018

[Rezension] Bestseller von Beka Adamaschwili

Titel: Bestseller
Autor: Beka Adamaschwili
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 11.10.2017
Seiten: 176
Verlag: Voland & Quist
Format: Hardcover
ISBN-13: 978-3-863911-83-6
Originalpreis: 18,00€

Klappentext:
Pierre Sonnage, ein erfolgloser Schriftsteller, sieht seine einzige Chance auf Ruhm im Selbstmord und springt kurzerhand von einem Wolkenkratzer. Doch statt im Bestsellerhimmel landet er in der Literatenhölle. Hier trifft er nicht nur auf Dante, Kafka, Hemingway und all die anderen VIPs, sondern muss sich Rätseln stellen, so überfrachtet und verschlüsselt, wie er sie nur aus seinen eigenen Romanen kennt. Eine irrwitzige Reise beginnt.

Sonntag, 30. Juli 2017

[Reread] Das Zeitalter der Fünf - Priester von Trudi Canavan

Titel: Priester
Reihe: Das Zeitalter der Fünf
Band: 1
Autor: Trudi Canavan
Sprecher: Martina Rester-Gellhaus
Genre: Heroische Fantasy
Erscheinungsdatum: 21.12.2015
Seiten: 23 Stunden 45 Minuten
Verlag: Random House Audio
Format: Hörbuch
Fassung: Ungekürzt
ISBN-13: 978-3-8371-3307-3
Originalpreis: 35,95€

Kurzbeschreibung:
Die junge Auraya ist auserwählt, eine Priesterin der Weißen zu werden. Doch diese Ehre bedeutet auch, dass sie ihre Heimat für immer hinter sich lassen muss. Dabei könnte Auraya die Hilfe ihrer alten Freunde nun dringend gebrauchen. Denn geheimnisvolle, schwarz gekleidete Zauberer sind ausgeschwärmt – und verfolgen anscheinend nur ein Ziel: die totale Auslöschung des Weißen Ordens ...

Meinung:
Ich habe mich wieder neu in dieses Buch verliebt – und nachdem ich das Hörbuch quasi verschlungen habe, ist es schade, dass die beiden anderen Bände nicht auch vertont wurden. Es gibt die einen, die lieben Trudi Canavan, die anderen hassen sie. Und dann gibt es noch diejenigen, die genau diese Reihe von ihr nicht leiden können. Ehrlich gesagt kann ich das überhaupt nicht nachvollziehen. Gut, es gibt wirklich ein paar offensichtliche Dinge, die sie etwas eleganter hätte verpacken können und bei denen die Autorin sich selbst ein Bein gestellt hat, aber insgesamt ist der Weltenbau einfach nur genial. Alles wirkt so real. Die Charaktere haben eine besondere Tiefe und das, obwohl es so viele von ihnen gibt. Zudem ist der Roman sehr atmosphärisch geschrieben. Die Beschreibungen sind großartig, aber nicht zu ausschweifend. Auch bei den Charakteren kann man trotz der Anzahl gut den Überblick behalten – auch wenn das beim Hörbuch vielleicht etwas schwieriger ist bei Nebenfiguren. Trotzdem hat die Sprecherin ihre Sache gut gemacht. Sie passte ziemlich gut zu den Charakteren, auch wenn die Dialoge leider manchmal etwas verwirrend waren, aber in den meisten Fällen kann man die Sprecher voneinander unterscheiden. Die Handlung insgesamt ist gleichzeitig gemächlich und brisant. Es passiert durchaus viel, allerdings gibt es auch einige große Zeitsprünge. Für mich persönlich war dieser „Reread“ als würde ich alte Freunde wieder treffen.

Fazit:
Die Reihe mag ein schlechtes Image haben, aber ist einen Versuch absolut wert. Die Charaktere sind liebenswürdig, Canavans Schreibstil großartig, der Weltenbau bombastisch und die Handlung durchaus originell - wenn auch leider an manchen Stellen etwas durchsichtig. Wer sich daran aber nicht stört, wird mit diesem Roman – ob als Hörbuch oder Taschenbuch – eine wunderbare Zeit verbringen.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 5/5
Sprecher: 4/5

Gesamt:

Montag, 12. Juni 2017

[Rezension] Der Marsianer von Andy Weir

Titel: Der Marsianer
Autor: Andy Weir
Genre: Hard Science Fiction
Erscheinungsdatum: 13.10.2014
Seiten: 512
Verlag: Heyne
Format: Klappenbroschur
ISBN-13: 978-3-453-31583-9
Originalpreis: 14,99€

Klappentext:
Der Astronaut Mark Watney war auf dem besten Weg, eine lebende Legende zu werden: Als einer der ersten Menschen in der Geschichte der Raumfahrt betritt er den Mars. Nun, sechs Tage später, ist Mark auf dem besten Weg, der erste Mensch zu werden, der auf dem Mars sterben wird: Bei einer Expedition auf dem Roten Planeten gerät er in einen Sandsturm, und als er aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, ist er allein. Auf dem Mars. Ohne Ausrüstung. Ohne Nahrung. Und ohne Crew, denn die ist bereits auf dem Weg zurück zur Erde. Es ist der Beginn eines spektakulären Überlebenskampfes ...

Meinung:
Mit seinem Debütroman gelang Andy Weir ein Volltreffer. Nicht nur ist der Science Fiction-Roman ein Bestseller, sondern wurde 2015 auch verfilmt. Das Thema ist dabei natürlich allein schon ein Selbstrenner: Ein Astronaut strandet auf dem Mars. Wenn ich mich daran erinnere, wie vor Jahren alle gebannt zugeschaut haben, als Felix Baumgartner aus der Stratosphäre auf die Erde sprang, wundert es nicht, dass auch Weirs Roman Wellen schlug. Der Weltraum ist gefährlich und unbekannt – also aufregend. Der Klappentext stützt dieses Bild noch einmal und weckt Horrorszenarien. Wie will der Protagonist das nur überleben?

Die Geschichte hat mich schon gleich zu Beginn überrascht, denn ich hatte sie mir ganz anders vorgestellt. Aber das ist überhaupt kein Kritikpunkt, denn sie war viel besser als ich mir vorstellen konnte. Gut, anfangs verläuft die Geschichte noch recht gemächlich. Man lernt Mark langsam kennen und seine Situation auf dem Mars, und wie es überhaupt dazu kommen konnte. Es gibt wirklich viele Wendungen, Höhen und Tiefen. Es ist ein stetiges Auf und Ab und man kann kaum aufatmen, da sitzt er schon wieder im Schlamassel. Aber er ist ja nicht umsonst Astronaut und daher extrem findig darin, sich auszudenken wie er überleben kann. Das wurde wirklich brillant geschrieben. Das Tempo nimmt mit der Zeit auch etwas zu und wird straffer, weil man nicht mehr so viele Basisinformationen verarbeiten muss. Die Atmosphäre baut sich langsam, aber umso eindringlicher auf. Man fiebert jeden Moment mit. Es bleibt bis zum Schluss spannend. Zugegeben war das Ende für mich nicht ganz so wie gewünscht, aber insgesamt durchaus befriedigend. Gerade die Tiefsinnigkeit an diesem Roman hat mir sehr gefallen. Es geht um Überleben, um Menschlichkeit, um Hilfsbereitschaft. Es geht darum, nicht aufzugeben, obwohl alles aussichtslos wirkt. Es geht darum, Risiken abzuwägen. So viel wird in diesem Roman angesprochen. Manchmal subtil, manchmal sehr direkt.

Mark Watney ist ein genialer Protagonist. Er kann ernst sein, aber auch sarkastisch. Und vor allem extrem witzig. Obwohl er wirklich tief in der Klemme steckt, bleibt er in den meisten Fällen gelassen und kalkuliert lieber. Dabei kommt sein Humor nie zu kurz. Gerade seine wirklich risikofreudige Art war sehr angenehm. Gleichzeitig hat sie üble Bauchschmerzen bereitet, weil man sich ständig um ihn sorgt. Er wirkt nie flach oder unlogisch. Auch die anderen Charaktere haben alle Kanten und Ecken, manche mag man mehr, manche weniger. Aber sie wirken alle wie echte Personen und nicht wie bloße Typen.

Der Schreibstil ist für mich bei diesem Buch ein zweischneidiges Schwert. Ich habe zuvor die Leseprobe auf Englisch gelesen und war absolut begeistert. Von der deutschen Übersetzung allerdings nicht ganz so sehr. Sie ist durchaus gut, aber die Wirkung ist an vielen Stellen ganz anders. Das Deutsche wirkt vergleichsweise so hochgestochen. Dabei ist gerade Watneys eher umgangssprachliche und nicht so feine Art das, was das Buch mitunter ausmacht. Das geht zwar nicht gänzlich verloren, ist aber trotzdem schade.

Ich kann es nicht anders sagen: Ich bin absolut begeistert. Je länger ich den Roman sacken lasse, desto mehr mag ich ihn. Ab einem gewissen Punkt konnte ich einfach nicht mehr aufhören zu lesen. So gefesselt war ich schon lange nicht mehr. Obwohl ich durch die positiven Empfehlungen bereits hohe Erwartungen hatte, wurden diese nur geringfügig enttäuscht. Andy Weir hat es wirklich geschafft, Mark Watney nicht nur Leben und Sympathie einzuhauchen, sondern auch einen wirklich spannungsgeladenen Roman zu schreiben.

Fazit:
Wer „Der Marsianer“ noch nicht kennt, sollte dies unbedingt ändern. Beeindruckender Protagonist trifft auf grauenerregendes Szenario. Emotionen, Action, Humor … alles ist dabei. Selbst für Nicht-Science Fiction-Leser eine absolute Empfehlung.

Inhalt: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 4/5

Gesamt:

Freitag, 9. Juni 2017

[Kurzrezension] Die Dämonenakademie - Die Inquisition von Taran Matharu

Titel: Die Inquisition
Reihe: Die Dämonenakademie
Band: 2
Autor: Taran Matharu
Genre: Abenteuer-Fantasy, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 22.05.2017
Seiten: 512
Verlag: Heyne fliegt
Format: Klappenbroschur
ISBN-13: 978-3-453-26993-4
Originalpreis: 12,99€

Kurzbeschreibung: 
Auf Fletcher und seine Freunde an der Dämonenakademie wartet eine ganz besondere Herausforderung: Die Schüler des Abschlussjahrgangs werden auf eine heikle Mission ins Reich der Orks geschickt – und das ganze Königreich schaut ihnen dabei zu. Ob Adelssohn oder Waisenjunge, ob Elf oder Zwerg, um ihren Auftrag erfolgreich zu Ende zu bringen müssen die künftigen Dämonenmagier erst einmal ihre eigenen Steitereien überwinden und lernen als Gruppe zusammenzuarbeiten. Doch in ihrer Mitte gibt es einen Verräter ... 

Meinung: 
Der erste Band der Reihe konnte mich wirklich vom Hocker reißen. Und als ich mit dem Lesen des zweiten Bandes begann, fühlte sich alles wieder vertraut an. Einen schalen Nachgeschmack hinterließ der Anfang aber trotzdem. Denn auf den Cliffhanger vom Vorband wird eher lapidar eingegangen. Dadurch verpufft im ersten Moment erst einmal ein wenig Spannung, die sich aber zum Glück schnell wieder aufbaut. Es kommt wieder zu klischeehaften Momenten, aber dafür gibt es auch wieder viele überraschende, die umso besser sind. Wie der Klappentext ja andeutet, verschlägt es Fletcher und seine Freunde ins Orkterritorium, doch Feinde lauern auch in ihren eigenen Reihen. Der Roman ist wieder sehr abenteuerlich geworden und schafft es mit den Charakteren und der Handlung zu bezaubern. Gerade das Ende war dann doch recht unerwartet, aber gut durchdacht. Ich mag es ja, wenn man sich selbst mit kleinen Hinweisen zusammenreimen kann, wer der Böse ist und hier war das auch so. Auch die Vermischung von neuen und alten Elementen ist wieder gut gelungen. Insgesamt ist der zweite Band wieder ein kleines Meisterwerk und lässt noch gespannter auf den letzten Band warten.

Fazit: 
„Die Inquisition“ hebt die Reihe auf ein ganz neues Level und führt den Leser zusammen mit Fletcher in noch intensivere und gefährlichere Abenteuer.

Inhalt: 5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 5/5

Gesamt:

Freitag, 17. März 2017

[Rezension] Infernale von Sophie Jordan

Titel: Infernale
Reihe: Infernale
Band: 1
Autor: Sophie Jordan
Genre: Dystopie, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 15.02.2016
Seiten: 384
Verlag: Loewe
Format: Hardcover
ISBN-13: 978-3-7855-8167-4
Originalpreis: 17,95€

Kurzbeschreibung: 
Von klein auf hörte ich Wörter wie begabt. Überdurchschnittlich. Begnadet. 
Ich hatte all diese Wünsche, wollte etwas werden. Jemand. 
Niemand sagte: Das geht nicht. 
Niemand sagte: Mörderin. 

Als Davy in einem DNA-Test positiv auf das Mördergen Homicidal Tendency Syndrome (HTS) getestet wird, bricht ihre heile Welt zusammen. Sie muss die Schule wechseln, ihre Beziehung scheitert, ihre Freunde fürchten sich vor ihr und ihre Eltern meiden sie. Aber sie kann nicht glauben, dass sie imstande sein soll, einen Menschen zu töten. Doch Verrat und Verstoß zwingen Davy zum Äußersten. Wird sie das werden, für das alle Welt sie hält und vor dem sie sich am meisten fürchtet – eine Mörderin? 

Meinung:
Diesen Monat erscheint bereits der zweite Band der Reihe. Seit Monaten ist der erste Band bereits in aller Munde und deshalb kam auch ich nicht umhin, es endlich zu lesen. Optisch ist es erst einmal eher unauffällig und geht in der Masse unter, der Klappentext klingt aber vielversprechend und vor allem spannend, vielleicht mal wieder eine Dystopie, die vom Hocker hauen kann. Das Thema ist auf jeden Fall brisant und hat hohes Potenzial.

Tatsächlich wird man sich der Brisanz auch schnell bewusst. Davy erfährt, dass sie HTS hat und plötzlich ändert sich einfach alles für sie. Die Leute behandeln sie anders und ihre Möglichkeiten sind eingeschränkt. Das Buch zeigt raffiniert, was dies mit der Psyche eines Menschen machen kann. Sehr faszinierend fand ich vor allem, wie radikal die Außenstehenden dabei reagiert haben, die HTS-Träger sofort verurteilen und als Kriminelle brandmarken, obwohl ja nicht jeder HTS-Träger ein Mörder sein muss. Generell ist die Storyline nicht unbedingt originell, sondern verfolgt ein typisches Handlungsmuster, kann dabei aber trotzdem fesseln. Es gibt eine Liebesgeschichte, die tatsächlich glaubwürdig rüberkommt, da sie langsam aufgebaut wird. Davys Taten und die extremen Reaktionen darauf fand ich besonders spannend. Generell war alles nachvollziehbar und es ist spannend, wie die HTS-Träger eigentlich in die Ecke gedrängt werden. Nur in Mount Haven fand ich Davy etwas irrational, aber dennoch nachvollziehbar. Besonders gut konnten die Texte am Ende eines Kapitels die drückende Stimmung unterstreichen.

Davy ist die Ich-Erzählerin der Geschichte. Sie ist ein sympathisches Mädchen mit eigenen Macken, wird aber anfangs und im Grunde von allen auf ihre Musik und ihren Fleiß reduziert. Ich denke aber, dass das Absicht von der Autorin sein könnte, da Davy mit ihrem HTS-Status langsam mehr Selbstbewusstsein findet und sich ihr Charakter entwickelt. Auch die anderen Charaktere fand ich alle sehr sympathisch, auch wenn viele etwas zu kurz kamen. Selbst über Davy lernt man ja nicht viel, aber über die anderen Charaktere erfährt man meist nur grobe Randdaten. Hoffentlich ändert sich das im zweiten Band vielleicht noch. Dennoch fällt es nicht negativ auf, da der Schwerpunkt der Handlung ja trotzdem auf Davy und ihrer Situation liegen. Und gerade das Verhalten aller Charaktere fand ich doch sehr realistisch, wenn auch teilweise schockierend.

Der Schreibstil der Autorin ist recht eingängig und umgangssprachlich. Der Stil ähnelt dem typischen Gesprächsstil auch sehr. Dadurch hat man das Gefühl, dass Davys Erzählung mehr persönlicher ist. Durch das Präsens wird außerdem die Spannung deutlich gesteigert. Es gibt auch ein paar Schachtelsätze, aber die fallen nicht ins Gewicht.

Durch diese Dystopie bin ich geradezu durch gerauscht. Ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen und mich letztendlich nur fragen, wieso ich es nicht schon längst gelesen habe. Das Buch hat natürlich auch die eine oder andere Schwäche, aber insgesamt wird das Thema schön aufbereitet und die Verzweiflung Davys wird mit jedem Kapitel gesteigert. Da bin ich wirklich gespannt, wie es im zweiten Teil weitergeht. Mit Davy konnte ich ja überraschenderweise auch sympathisieren, obwohl ich weibliche Protagonisten oft etwas anstrengend finde. Das ist mir bei ihr aber nur kurz am Ende passiert und da ging ich einfach nur nicht mit ihren Gedankengängen konform. Aber insgesamt konnte mich der Roman von vorne bis hinten überzeugen.

Fazit: 
„Infernale“ verarbeitet ein schwieriges Thema spannend und vor allem schockierend. Die Dystopie geht dabei bis zum Äußersten und verspricht von einer kleinen Liebesgeschichte bis hin zu einer ordentlichen Portion Action so ziemlich alles.

Gesamt: 5/5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 5/5

Montag, 6. März 2017

[Rezension] Empire of Storms - Pakt der Diebe von Jon Skovron

Titel: Empire of Storms - Pakt der Diebe
Reihe: Empire of Storms
Band: 1
Autor: Jon Skovron
Genre: Heroische Fantasy
Erscheinungsdatum: 13.02.2017
Seiten: 592
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-453-31785-7
Originalpreis: 14,99€

Kurzbeschreibung: 
Hope ist noch ein Mädchen, als ihr Dorf von den Magiern des Kaisers angegriffen und dem Erdboden gleich gemacht wird. Sie allein überlebt und findet in einem Kloster nicht nur Unterschlupf, sondern wird dort auch von den Kriegermönchen in den Kampfkünsten unterwiesen. Red ist ein Straßenjunge, der in den finsteren und überfüllten Gassen New Lavens zum besten Taschendieb heranwächst, den das Imperium je gesehen hat. Jahre vergehen – doch als Hope und Red einander auf schicksalhafte Weise begegnen, schließen sie einen Pakt, der die Zeit der Ungerechtigkeit beenden wird … 

Meinung: 
Der neue Fantasyroman ist mir tatsächlich nur zufällig aufgefallen. Ein Blick auf den Klappentext konnte mich allerdings bereits überzeugen. Das Cover lässt neben dem Original etwas zu wünschen übrig, aber das Rot-Blau ist dafür sehr auffällig. Im Buch gibt es, wie es sich für einen Fantasyroman schon fast gehört, eine Karte und ein Glossar. Die Karte ist leider sehr winzig gedruckt. Man hat dabei eine Sicht auf die Weltkugel und die Stadt New Laven, bei der man leider nicht viel erkennen kann.

Die Geschichte beginnt recht gemächlich. Man wird langsam an die beiden Protagonisten herangeführt und lernt sie aus der Distanz kennen. Man lernt die beiden und ihre Marotten dann schließlich über mehrere hundert Seiten kennen. Man könnte meinen, dass es sich dadurch zäh liest, aber dem ist ganz und gar nicht so. Stattdessen passiert einfach immer irgendetwas. Hope wächst als Kriegerin und Dienerin auf, während Red sich als Dieb durchschlagen muss. Man erfährt viele kleine Details, die später tatsächlich noch wichtig werden. Die Atmosphäre ist wirklich gut geschaffen. Gerade in Reds Perspektive, in der Paradieskehre, bekommt man ein sehr intensives Bild von der Umgebung. Der Autor hält sich dabei nicht zurück und berichtet von einem übel verschmutzten Viertel. Auffälliger ist aber die Brutalität, die immer wieder in den Vordergrund rückt. Anfangs war ich noch skeptisch, ob es sich nicht wieder legt, aber über das ganze Buch hinweg geschehen Dinge, die sensiblen Menschen aufstoßen könnten. Um ein noch recht harmloses Beispiel zu nennen, wird einem Charakter fast am Anfang ein Ohr abgebissen. Manchmal hätte es für meinen Geschmack nicht so detailliert beschrieben werden müssen. Davon abgesehen ist der Roman aber wirklich spannend. Vor allem, als Hope und Red aufeinandertreffen, kommt die Handlung richtig in Gang und man hetzt von einem Ereignis zum anderen. Die Verwicklungen sind wirklich sehr gut gemacht und viele Handlungsstränge werden verwoben. Dabei gibt es auch einige sehr überraschende Enthüllungen. Und auch das Ende hat es wirklich in sich und macht neugierig auf die Fortsetzung.

Zugegeben sind die Charaktere anfangs alle etwas gewöhnungsbedürftig. Während Hope obgleich ihrer tragischen Herkunft sogar noch recht normal wirkt, sind Red und seine Freunde eine sehr ungewöhnliche Bande. Red ist sehr von sich selbst überzeugt und ein richtiger Sprücheklopfer. Hope wiederum ist diszipliniert und ruhig. Beide sind nicht auf den Kopf gefallen und geben ein perfektes Protagonistenpaar ab, indem sie sich gegenseitig immer wieder fordern. Ich persönlich konnte mit Red mehr anfangen als mit Hope, da er viel offener war und ich auch das Gefühl hatte, dass seine Perspektiven mehr Raum eingenommen haben. Insgesamt sind alle Charaktere glaubwürdig und viele auch sympathisch. Man hat das Gefühl, wirkliche Menschen vor sich zu haben, auch wenn nicht jeder detailliert skizziert wird. Spannend fand ich auch den Charakter Brigga Lin, der erst später im Roman auftritt.

Der Schreibstil Skovrons liest sich sehr leicht. Für die Welt seines Romans hat er teilweise eine ganz eigene Sprache erfunden, die hinten im Glossar noch einmal genauer erläutert wird. Manchmal war es etwas anstrengend die vielen Begriffe wie Kater und Mieze für Mann und Frau zu lesen, aber generell schafft es eine gute Atmosphäre. Gerade die „Gossensprache“ zieht sich durch den ganzen Roman, da Red mit ihr aufgewachsen ist. Hope spricht dafür relativ normal. Ich fand es tatsächlich recht beeindruckend wie gut sich die Sprache durch den ganzen Roman zieht und sich die verschiedenen Ausdrücke irgendwann einprägen.

Als ich den Roman begann, war ich sehr skeptisch. Diese Skepsis habe ich allerdings mit jedem Kapitel mehr und mehr abgeschüttelt. Und nachdem ich nun den Roman beendet habe, komme ich nicht umhin, ungeduldig auf die Übersetzung des zweiten Bandes zu warten. Das Buch konnte mich restlos begeistern. Gerade die Tatsache, dass es mal etwas Anderes ist und einen sehr verworrenen Plot hat, den man nicht sofort durchschauen kann, macht es zu einem richtigen Highlight. Man lernt die Charaktere – ob nun Protagonisten oder Nebencharaktere – so intensiv kennen, dass man nicht anders kann als mitfiebern. Jon Skovron hat eine wirklich faszinierende Welt erschaffen. Dies ist seit langem mal wieder eines der Bücher, bei denen man sich wünscht, nie die letzte Seite zu erreichen, oder am liebsten nochmal von vorne anfangen würde. 

Fazit:
„Empire of Storms – Pakt der Diebe“ brilliert mit einer atmosphärischen Welt, liebenswürdigen Charakteren und einer wirklich ausgefuchsten Handlung. An keiner Stelle wird es langweilig. Fantasylesern kann ich dieses Schätzchen wirklich ans Herz legen.

Gesamt: 5/5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 4/5

Sonntag, 15. Januar 2017

[Rückblick] Meine Highlights 2016


2016 war für mich nach langer Zeit mal wieder ein gutes Lesejahr. 49 Bücher habe ich verschlungen, das eine mehr und das andere weniger begeistert. Meine Flops des Jahres möchte ich am liebsten unter den Teppich kehren und gar nicht mehr darüber reden. Dennoch kann ich auch darüber etwas Gutes sagen: Keines meiner gelesenen Bücher hat die 2-Punkte-Bewertung unterboten und keines war so schlimm, dass ich es abgebrochen habe. Aber dieser Beitrag soll nicht meinen Flops gewidmet sein, sondern meinen Highlights, die mich dieses Jahr ganz besonders begeistern konnten. Ein Klick auf den Titel führt euch zu meiner Rezension, ein Klick aufs Cover wiederum zur Verlagsseite. 

Einzelbände


Das dunkle Herz des Waldes von Naomi Novik
Der Klappentext des Romans lässt den Leser erst eine typische fantastische Liebesgeschichte erwarten, aber stattdessen bekommt er ein vielschichtiges Märchen geboten. Bis auf ein paar etwas ausgedehnte Passagen konnte der Roman mich sowohl mit seinem Inhalt als auch seinen Charakteren vollkommen überzeugen. Die Handlung bietet das volle Programm an Unterhaltung und bleibt dabei nicht nur schlüssig, sondern geht auf die verschiedenen Plotstränge auch intensiv ein. Genauso fällt es nicht schwer, die Charaktere schnell ins Herz zu schließen. Gerade für Märchenfans und Fans von Fantasyromanen mit einer Prise Magie ist dieses Buch perfekt.

Erebos von Ursula Poznanski
Ursula Poznanski ist 2016 zu einer meiner Lieblingsautorinnen avanciert. Geschafft hat sie das mit ihren Jugendthrillern, die auf aktuelle jugendliche Themen eingehen und dadurch nicht nur brandaktuell sind, sondern auch an den Geist der Jugend anknüpfen. Erebos war unter ihren bisherigen Jugendthrillern für mich nicht nur das erste Buch der Autorin, sondern auch das beste. Wenn man einmal mit diesem Roman angefangen hat, kann man ihn kaum noch aus der Hand legen und wird gleichzeitig selbst von der Thematik gefangen. Das Computerspiel, in das Nick hineingezogen wird, veranschaulicht sehr gut, wie gefährlich Spielsucht werden kann, ohne dabei mahnend den Finger zu heben.

Reihenbände


Die Dämonenakademie - Der Erwählte von Taran Matharu
Der Debütroman von Taran Matharu bietet eigentlich alles für den klassischen Fantasyfan: Menschen, Zwerge, Elfen, Orks und mehr. Außerdem gibt es magische Vertraute - die Dämonen - und eine Schule, an der man lernt mit seinen Kräften umzugehen. Hinzu kommen ein nicht unbedingt neuer, aber dennoch raffinierter Plot verwoben mit einem ganz eigenen Charme, der beim Lesen aufkommt. Es gelingt dem Autor mit alten Elementen eine neue Geschichte zu schreiben, die trotzdem begeistern kann. Der Erwählte ist dabei der erste Band der Trilogie. Der zweite Band erscheint schon im Mai.

Die Bestimmung von Veronica Roth
Nachdem sie mittlerweile auch schon verfilmt wurde, dürfte die Die Bestimmung-Reihe, die auch als die Divergent-Reihe bekannt ist, bereits ziemlich populär sein. Für mich war es dieses Jahr ein Reread und ich habe mich in den ersten Band noch einmal neu verliebt. Egal, was man vom Ende der Reihe hält, - und ich selbst fand es auch nur mittelmäßig - der erste Band, Die Bestimmung, ist auf jeden Fall ein sehr intensiver Roman, der sich absolut lohnt. Veronica Roth stellt den Leser hier vor die Frage, ob es gut ist nach verschiedenen Tugenden zu leben oder eher Humbug, und zeigt ein sehr komplexes Gesellschaftssystem. Tris ist dabei eine starke und sympathische Identifikationsfigur.

Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky
Neben Erebos hatte ich mit Metro 2033 vermutlich das intensivste Leseerlebnis des Jahres. Der Roman ist sehr düster und der Schreibstil gewöhnungsbedürftig, aber trotz allem fällt es nicht schwer sich in die Atmosphäre einhüllen zu lassen und mit dem jungen Artjom mitzufiebern. Es ist mal etwas ganz anderes von einem Leben auf U-Bahngleisen zu lesen. Glukhovsky hat ein sehr komplexes System ausgearbeitet und jeder U-Bahnstation eine eigene Geschichte verliehen, die er völlig authentisch rüberbringt. Metro 2033 ist der erste Band der Metro-Reihe.


Reihen



Mercy-Thompson-Reihe von Patricia Briggs
Als ich den Reread zur Reihe gestartet habe, ging ich eigentlich davon aus, dass ich die Bücher mittlerweile schlechter fände, aber das ist absolut nicht der Fall. Die komplette Reihe konnte mich erneut von sich überzeugen und zeigt eine selten tapfere und selbstständige Protagonistin mit immer wieder neuen originellen Handlungssträngen. Dabei fällt es Patricia Briggs nicht schwer, die viele Charaktere und ihre Beziehungen zueinander immer weiter auszubauen. Man verliert auch nie den Überblick über die Charaktere. Stattdessen werden vor allem auch Nebencharaktere liebevoll eingeflochten und ausgeschmückt. Bei der Mercy-Thompson-Reihe handelt es sich um eine sehr bodenständige und actionreiche Romanreihe, bei der gerne um die Ecke gedacht wird. Der neunte Band der Reihe erscheint im Juni.


Weitere Leseperlen 2016



Hier führen euch die Cover zu meinen Rezensionen.

Generell war 2016 eigentlich ein Lesejahr, mit dem ich insgesamt sehr zufrieden war. Leider gab es vor allem im September und Oktober eine ziemliche Leseflaute bei mir, die durch viele Leseflops bedingt war. Vor allem konnte ich aber einige neue Autoren entdecken, die ich auch weiterhin verfolgen werde. Außerdem habe ich 2016 viel mehr Thriller gelesen als in früheren Jahren. Vielleicht ist ja unter meinen Highlights und Leseperlen des Jahres auch etwas für euch dabei. 

Freitag, 6. Januar 2017

[Rezension] Gefährtin der Dunkelheit von Patricia Briggs

Titel: Gefährtin der Dunkelheit
Reihe: Mercy Thompson
Band: 8
Autor: Patricia Briggs
Genre: Urban Fantasy
Erscheinungsdatum: 12.12.2016
Seiten: 464
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-453-31812-0
Originalpreis: 9,99€

Klappentext: 
Als Christy, die Exfrau ihres Gefährten Adam, plötzlich in ihrem Leben auftaucht, schrillen bei Mercy sämtliche Alarmglocken – und das zu Recht, denn Christy führt nichts Gutes im Schilde: Sie will Adam zurück und ist sogar bereit, Mercys eigenes Rudel gegen sie aufzustacheln. Doch eine Mercy Thompson gibt niemals kampflos auf – schon gar nicht in der Liebe! Noch ahnt Mercy nicht, dass Christy ihr geringstes Problem ist: Ihr droht weitaus größere Gefahr von einem Gegner, der die ganze Welt zerstören kann… 

Meinung: 
Der achte Band der „Mercy Thompson“-Reihe zeigt das amerikanische Cover des Romans. Bisher hat der Verlag immer eigene Cover für die Bände entworfen. Das amerikanische Design ist auf jeden Fall hübscher als die Cover des sechsten und siebten Bandes und somit eine gute Entscheidung. Das gezeichnete Cover punktet auch deshalb, weil die Protagonistin Mercy dadurch ein Gesicht bekommt. Der Klappentext ist sehr provokant geschrieben und verzerrt die Ereignisse des Romans ein bisschen, aber macht trotzdem neugierig. Nicht nur wird hier auf ein neues Abenteuer angespielt, sondern Fans von Mercy und Adam als Paar können auch wieder mitfiebern.

Dieser Band fackelt nicht lange mit irgendwelchen Einleitungen, sondern wirft den Leser direkt ins Geschehen. Adams Exfrau Christy kommt in die Tri-Cities, weil sie von einem mörderischen Stalker belästigt wird. Und als würde das Mercys Nerven nicht schon genug strapazieren, muss sie sich auch noch darum kümmern, den Wanderstab seinem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Sehr schön in diesem Band war vor allem wieder die detaillierte Charakterdarstellung. Briggs schafft es einfach jedes Mal, die Charaktere und ihre Beziehungen weiter auszuarbeiten, ohne den Leser zu erschlagen oder es wie eine irrelevante Information klingen zu lassen. Auch wenn man es nach den letzten Bänden langsam für unmöglich halten müsste, sind auch die Gegner, mit denen Mercy es zu tun bekommt, wieder stärker und die toughe Walkerin wieder oft auf sich allein gestellt. Gerade dass Mercy immer wieder aktiv zur Heldin wird, ist ein sehr guter Aspekt der Reihe und auch dieses Bandes, denn die Kämpfe trägt sie auch hier wieder überwiegend alleine aus. Dadurch dass Mercy im Vergleich zu ihren Werwolf-, Feenvolk- und Vampirfreunden eigentlich viel verletzlicher ist, steigt auch die Spannung der Bücher sehr an. Wieder verflechten sich alle Handlungsstränge gekonnt und zeigen einen neuen Aspekt der Welt, in der die Reihe spielt. Dabei wird wieder mehr auf die Gestaltwandler eingegangen, was hoffentlich auch in den Folgebänden noch weiter vertieft wird.

Mercy ist wie immer eine sehr angenehme Protagonistin. Nicht anstrengend, aber dafür umso humorvoller, ohne krampfhaft zu wirken. Und gleichzeitig ist man sich auch immer bewusst, dass sie eine sehr realistische Perspektive auf die Welt hat und sich selbst oder andere selten beschönigt oder verunglimpft. Generell ist dieser Band vermutlich einer der besten, wenn es um die Charaktere geht, da hier vor allem auch die altbekannten Charaktere, die man schon ewig kennt, noch einmal neue Facetten hinzubekommen. Auch die Rudelverbindungen sind dabei wieder sehr interessant. Vor allem hoffe ich, dass wir Gary Laughingdog vielleicht noch öfter zu Gesicht bekommen.

Briggs Schreibstil ist eher locker und leicht zu lesen und hält sich nicht mit exzentrischen Beschreibungen auf. Stattdessen tritt der Schreibstil eher in den Hintergrund und hilft dem Leser, sich so leichter auf die Handlung fokussieren zu können. Trotz der Ich-Perspektive fällt es überhaupt nicht schwer in den Roman hineinzukommen. Im Gegensatz zum siebten Band wird hier wieder nur aus Mercys Perspektive geschrieben, was ich sehr begrüßt habe. Ein Fehler ist mir allerdings schmerzhaft aufgefallen. In diesem Band wurde die uns bekannte Ariana an mehreren Stellen fälschlicherweise Adriana genannt. Im späteren Teil des Romans kommt Ariana dann schließlich auch noch einmal mit der richtigen Schreibweise vor. Das war etwas verwirrend.

Beim achten Band sollte man eigentlich davon ausgehen, dass die Romane langsam an Qualität abnehmen oder die Handlungen ausgelutscht sind, aber dem ist überhaupt nicht so. Stattdessen besticht auch dieser Teil wieder mit einer originellen und actionreichen Idee und kann von vorne bis hinten fesseln. Wenn man einmal angefangen hat, will man das Buch nicht mehr so schnell aus den Händen legen und herausfinden, wie Mercy die Probleme mit Christy, dem Stalker und dem Wanderstab löst.

Fazit: 
„Gefährtin der Dunkelheit“ ist ein würdiger achter Band der „Mercy Thompson“-Reihe und besticht wieder mit seiner charmanten Protagonistin und einer ausgefallenen Story, die von vorne bis hinten überraschen kann.

Gesamt: 5/5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 4/5

Reihe:
Band 1: Ruf des Mondes
Band 2: Bann des Blutes
Band 3: Spur der Nacht
Band 4: Zeit der Jäger
Band 5: Zeichen des Silbers
Band 6: Siegel der Nacht
Band 7: Tanz der Wölfe
Band 8: Gefährtin der Dunkelheit
Band 9: Spur des Feuers 

Freitag, 25. November 2016

[Rezension] Die Dämonenakademie - Der Erwählte von Taran Matharu

Titel: Der Erwählte
Reihe: Die Dämonenakademie
Band: 1
Autor: Taran Matharu
Genre: Abenteuer-Fantasy, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 31.10.2016
Seiten: 496
Verlag: Heyne fliegt
Format: Klappenbroschur
ISBN-13: 978-3-453-26984-2
Originalpreis: 12,99€

Kurzbeschreibung: 
Schon sein ganzes Leben ist Fletcher ein Außenseiter in seinem Dorf. Bis er eines Tages entdeckt, dass er Dämonen beschwören kann – genauer gesagt, einen Dämon: den Feuer spuckenden Salamander Ignatius. Fletcher kommt an die legendäre Dämonenakademie, wo er lernen soll, seine magischen Kräfte zu beherrschen, um eines Tages ein mächtiger Dämonenkrieger zu werden. Für Fletcher und Ignatius beginnt das größte Abenteuer ihres Lebens… 

Meinung: 
Das wirklich hübsche Cover des Buches lässt mit dem Pentagramm sofort an Dämonen und Hexerei denken. Aber nicht nur außen ist der Roman ein echter Hingucker. Im hinteren Innenteil gibt es ein Dämonenlexikon, in dem alle Typen aufgelistet sind, die in dem Roman vorkommen. Vor allem die Zeichnung sind richtig toll und liebevoll und waren auch so ziemlich das erste, das ich mir angesehen habe. Die Kurzbeschreibung ist recht knappgehalten, aber trotzdem ausreichend, um die grobe Geschichte erahnen zu können.

„Die Dämonenakademie“ spielt in einer recht klassischen Fantasywelt. Es gibt Menschen, Elfen, Zwerge, Orks und Kobolde – und Dämonen. Aber die Dämonen sind in diesem Fall nichts Böses, sondern eher wie beschworene Haustiere mit magischen Fähigkeiten. Die Vermischung von Bekanntem und Neuem ist hier super gelungen und wirkt sehr authentisch. Im Großen und Ganzen ist die Handlung recht stereotypisch gestaltet. Man hat die typischen Feind- und Freundkonstellationen und im Grunde auch eine nicht neue Geschichte eines Waisenjungen. Dennoch wurde die Handlung wirklich liebevoll verpackt, so dass diese Klischees gar nicht stören. Tatsächlich hätte ich auch einen ganz anderen Plottwist erwartet, der hier aber wirklich gut dargestellt ein und eingeleitet wird. Auch Fletchers Ausbildung wird näher ausgeführt und dabei lernt man mehr über die Dämonologie. Vor allem Spannung und Action kommen hier öfter auf, dem Genre angemessen. Das Ende mündete in einem Cliffhanger, der richtig gut war, auch wenn man da nur Resignation empfinden konnte.

Der Protagonist, Fletcher, ist ein typischer Waisenjunge, der in seinem Heimatdorf Feinde hat, aber auch einige wenige Freunde. Er ist tatsächlich ein liebenswürdiger Zeitgenosse und wurde auch altersgerecht getroffen, wie auch die anderen Charaktere, die auftreten. Dadurch ist ihr Verhalten natürlich manchmal nicht sehr reif, aber umso nachvollziehbarer. Im Grunde kann man sagen, dass alle Charaktere ein bisschen von Altem und Neuem haben. Sie sind wie Figuren, die man abgepaust hat, um ihnen danach ein eigenes Leben einzuhauchen. Anspruchsvollen Lesern könnte das vielleicht aufstoßen, aber ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass die Charaktere blass wären, weil sie auch alle einen Hintergrund haben, der sie motiviert. Auch bei anderen, die bisher noch nicht in den Vordergrund getreten sind, kann man das bereits erahnen.

Der Schreibstil ist recht simpel gehalten und dadurch flüssig zu lesen. Man merkt, dass sich das Buch an eine jugendliche Zielgruppe richtet. Neben dem Schreibstil hilft natürlich auch die größer gewählte Schrift beim Lesen. Vor allem später gibt es viele Dialoge und die Beschreibungen sind nie ausufernd, aber rufen eindeutig Bilder hervor. Interessant finde ich vor allem die Namensgebung der Charaktere. Die beiden präsentesten Zwerge heißen z.B. Othello und Attila, während die Menschen Namen haben wie Fletcher, Arcturus, Genevieve oder Atlas. Ein kunterbunter Mischmasch, bei dem nicht ganz klar ist, ob es dabei ein System gibt.

Der erste Band der „Die Dämonenakademie“- Reihe hat sich in drei Tagen zügig durchgelesen und je weiter man kommt, desto weniger will man unterbrechen. Zusammen mit Fletcher wird man in eine wundersame, aber schöne und überraschend realistische Welt hineingezogen, die aber nicht nur hauptsächlich von Dämonen in der Thematik bestimmt wird. Vor allem auch Freundschaft und Freundlichkeit sind hier sehr wichtig und das zeigt sich immer wieder. Nachdem ich dieses Buch gelesen habe, bin ich schon sehr gespannt auf die Fortsetzung.

Fazit:
„Der Erwählte“ ist der Auftakt zu einer vertraut wirkenden, aber gleichzeitig erfrischenden Welt, die sympathische Charaktere und tiefgründige Handlungsstränge bietet.

Gesamt: 5/5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 5/5

Montag, 21. November 2016

[Rezension] Das dunkle Herz des Waldes von Naomi Novik

Titel: Das dunkle Herz des Waldes
Autor: Naomi Novik
Genre: Fantasy
Erscheinungsdatum: 21.11.2016
Seiten: 576
Verlag: cbj
Format: Ebook
ISBN-13: 978-3-570-17268-1
Originalpreis: 13,99€ (Hardcover: 17,99€)

Klappentext: 
Agnieszka liebt das Tal, in dem sie lebt: das beschauliche Dorf und den silbern glänzenden Fluss. Doch jenseits des Flusses liegt der Dunkle Wald, ein Hort böser Macht, der seine Schatten auf das Dorf wirft. Einzig der »Drache«, ein Zauberer, kann diese Macht unter Kontrolle halten. Allerdings fordert er einen hohen Preis für seine Hilfe: Alle zehn Jahre wird ein junges Mädchen ausgewählt, das ihm bis zur nächsten Wahl dienen muss – ein Schicksal, das beinahe so schrecklich scheint wie dem bösen Wald zum Opfer zu fallen. Der Zeitpunkt der Wahl naht und alle wissen, wen der Drache aussuchen wird: Agnieszkas beste Freundin Kasia, die schön ist, anmutig, tapfer – alles, was Agnieszka nicht ist. Niemand kann ihre Freundin retten. Doch die Angst um Kasia ist unbegründet. Denn als der Drache kommt, wählt er nicht Kasia, sondern Agnieszka. 

Meinung: 
Im Original ist „Das dunkle Herz des Waldes“ bereits eingeschlagen wie eine Bombe. Das deutsche Cover wirkt ein bisschen lieblos hin geklatscht, überall erkennt man hier die Übergänge der zusammengeschnittenen Bilder. Dennoch schafft es bereits Atmosphäre. Schön wäre im Buch eine Karte gewesen, da auch im Buch immer wieder eine angesprochen wird und die Protagonisten öfter durchs Land reisen. Die Kurzbeschreibung gibt nur einen kleinen Einblick in die Geschehnisse, die der Roman bereithält, macht aber neugierig.

Zuerst wird man langsam in die Geschichte eingeführt, aber schnell kommt diese an den Punkt, an dem die Action bereits einsetzt und man stellt sich immer wieder die Frage, was denn noch kommen könnte. Im Endeffekt ist es ein liebevolles Märchen, das so perfekt verpackt wurde, dass man es im ersten Moment gar nicht merkt. Vor allem ist die Handlung überraschend und gleichzeitig tiefgründig. Alles hat seine Hintergrundgeschichte. Die Ereignisse passieren dicht hintereinander steigern sich immer weiter. Richtig begeistert hat mich das Magiesystem in diesem Roman. Die verschiedenen Zauberer haben scheinbar unterschiedliche Arten wie sie ihre Magie wirken und so gibt es einerseits die regelfanatischen Zauberer, die alles genau nach Vorgabe machen, und diejenigen, die sich eher von ihren Gefühlen und Eingebungen leiten lassen, wenn sie zaubern. Das wurde hier auch richtig gut beschrieben. Auch ist die Geschichte vor allem gegen Ende hin sehr bewegend. Im Grunde wird einem hier alles geboten: Spannung, Action, Liebe, Humor, Freundschaft, …und dabei wirkt nichts davon aufgesetzt.

Agnieszka ist auf den ersten Blick keine typische Protagonistin. Sie ist extrem tollpatschig, was aber keineswegs übertrieben wirkt und sich im Laufe des Buches auch bessert. Besonders gefallen hat mir, dass es in vielen Situationen Charaktere gab, die mutiger waren als sie, so dass sie nicht zur toughen „Ich kann alles“-Heldin verkommt. Tatsächlich ist es so, dass alle Charaktere sehr ausgeglichen sind und jeder seine eigenen Stärken mit in den Roman bringt – oder sie im Laufe der Zeit gewinnt. Dadurch wirkt jeder sehr lebendig und nah am Leser. Auch werden die dunklen Seiten einiger Personen näher beleuchtet und damit aufgezeigt, dass auch die Helden mal dunkle Gedanken in sich tragen. Die Beziehungen zwischen den Charakteren wurden auch sehr gut ausgearbeitet und vor allem die Freundschaft zwischen Agnieszka und Kasia fällt dabei sehr positiv auf, aber auch die Beziehung zwischen Agnieszka und dem Drachen, die sich im Laufe des Romans sehr verändert. 

Generell fand ich Noviks Schreibstil passend zum Buch, aber es gab auch öfters etwas langatmige Passagen und lange Absätze, bei denen es schwer war, konzentriert weiterzulesen. Das waren meist Stellen, in denen einiges schnell ging oder Kriegsgeschehnisse beschrieben wurden. Ansonsten hat die Autorin aber einen sehr aktiven Stil und hält sich nicht mit Gedankenmonologen auf. Durch ihre detaillierten Handlungsbeschreibungen hat man die Szenen immer gut vor Augen.

Ich kann nur sagen: Wow! Der Roman ist viel tiefgründiger und komplexer als man im ersten Moment erwartet und wird seinem guten Ruf absolut gerecht. Vor allem die Auflösung der Geschichte lässt einen aufgewühlt zurück. Es ist sehr leicht in den Roman einzusteigen und wenn man erst einmal drin ist, will man eigentlich gar nicht mehr aufhören zu lesen und wird richtig mitgerissen. Vor allem die verschiedenen Charaktere, die alle weder schwarz noch weiß sind, haben es mir dabei sehr angetan.

Fazit: 
Naomi Novik ist mit „Das dunkle Herz des Waldes“ wirklich ein bezauberndes Märchen gelungen, das auf voller Linie überzeugen kann.

Gesamt: 5/5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 4/5

Sonntag, 20. November 2016

[Rezension] Ruf des Mondes von Patricia Briggs

Titel: Ruf des Mondes
Reihe: Mercy Thompson
Band: 1
Autor: Patricia Briggs
Genre: Urban Fantasy
Erscheinungsdatum: 01.10.2007
Seiten: 384
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-453-52373-9
Originalpreis: 8,99€

Klappentext: 
Mercy Thompson ist stolze Besitzerin einer kleinen Autowerkstatt. Und sie ist eine Walkerin – das heißt, sie kann sich in einen Kojoten verwandeln. Als eines Tages der junge Mac in ihrer Werkstatt auftaucht, ahnt sie, dass seine Anwesenheit Ärger bedeutet. Denn Mac ist ein Werwolf, und er birgt ein Geheimnis, das Mercy zurück in ihre dunkle Vergangenheit führt... 

Meinung: 
Bis heute bleibt das Cover von „Ruf des Mondes“ für einen Urban Fantasy Roman überraschend schlicht und unaufdringlich. Während andere Romane dieser Art halbnackte Männerkörper oder Frauen in sexy Kleidern schmücken, sieht man hier nur ein Tor und rote Augen, die auch zur Atmosphäre des Buches passen. Im Buch gibt es auch eine Karte von der Tri-Cities, die hübsch gestaltet ist. Die Kurzbeschreibung finde ich an sich gut und das Thema treffend, soweit ich weiß steht bei neueren Auflagen aber etwas Anderes drauf.

Die Handlung des Romans setzt langsam ein, aber danach sprüht er vor Ereignissen. Diese sind aber selten offensichtlich, sondern für den Leser in den meisten Fällen eher überraschend. Mercy ist als Walkerin eine Art Neutrale zwischen den Werwölfen, dem Feenvolk und den Vampiren. Nach und nach erfährt man mehr über ihre Vergangenheit, die wirklich gut mit der Handlung verwoben wurde. Gleichzeitig ist auch die Welt, in der diese Geschichte spielt, sehr authentisch gehalten. Zu Beginn der Geschichte wissen die Menschen bereits vom Feenvolk. Die anderen „Rassen“ halten sich aber bedeckt. Die Spannungen und Beziehungen zwischen den Rassen sind dabei interessant und glaubwürdig. Besonders positiv überrascht hat mich an dem Buch, dass eine Liebesgeschichte hier nur angedeutet wird, aber diese nicht einmal Ansatzweise die Handlung bestimmt. An manchen Stellen geht es etwas langsam zu, aber das wird auch meistens mit den Eigenarten der Werwölfe, Vampire und dem Feenvolk begründet, die alle in irgendeiner Weise ihre Finger im Spiel haben. Trotzdem wirkt der Roman dabei nicht zu voll. Man kann dem Handlungsstrang mühelos folgen.

Mercy ist eine sehr charmante Protagonistin, die Sinn für Humor hat und nicht weinerlich ist. Im Gegenteil lässt sie sich nicht gerne bevormunden. Alle Charaktere in diesem Roman scheinen ganz offenkundig eine eigene Geschichte zu haben und wirken dabei nicht blass. Zwar gibt es durchaus Personen, die ein bisschen stereotypisch anmuten, aber sich durch ihre manchmal angedeutete Hintergrundgeschichte dennoch von anderen abheben. Dabei ist vor allem auch sehr interessant wie die verschiedenen Charaktere zueinanderstehen, da viele ihre eigenen Geschichten miteinander haben oder durch bestimmte Regeln wie beim Werwolfrudel auch eine festgesetzte Beziehung zueinander haben.

Der Schreibstil ist eher locker gehalten und sehr leicht zu lesen. Briggs hat einen ausgeprägten Stil und hält sich in ihren Absätzen gerne möglichst kurz. Eigentlich habe ich oft Probleme, in die Ich-Perspektive reinzukommen, aber bei diesem Roman fällt es überhaupt nicht schwer. Tatsächlich ist der Schreibstil so subtil und passend, dass er völlig in den Hintergrund tritt und der Geschichte selbst den Vortritt lässt.

Mit „Ruf des Mondes“ beginne ich die „Mercy Thompson“-Reihe mindestens zum dritten Mal. Ich habe dieses Buch schon beim ersten Mal geliebt und das hat sich diesmal nicht geändert. Mercys Geschichte zu lesen, fühlt sich für mich ein bisschen wie heimkommen an. Wenn man ein wenig Abstand zu den Büchern hat, fällt es außerdem sehr leicht, wieder in die Geschichte einzutauchen und aufs Neue überrascht zu werden.

Fazit:
Dies ist ein sehr bodenständiger Urban Fantasy-Roman, der sich vor allem auf eine eher actionreiche Handlung konzentriert, dabei die Charaktere aber keinesfalls in den Hintergrund rücken lässt, sondern ihre Geschichten gekonnt in die Handlung verwebt.

Gesamt: 5/5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 4/5

Reihe:
Band 1: Ruf des Mondes
Band 2: Bann des Blutes
Band 3: Spur der Nacht
Band 4: Zeit der Jäger
Band 5: Zeichen des Silbers
Band 6: Siegel der Nacht
Band 7: Tanz der Wölfe
Band 8: Gefährtin der Dunkelheit
Band 9: Spur des Feuers 

Sonntag, 10. Juli 2016

[Rezension] Erebos von Ursula Poznanski

Titel: Erebos
Autor: Ursula Poznanski
Genre: Jugendthriller
Erscheinungsdatum: 07.01.2010
Seiten: 488
Verlag: Loewe
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-7855-7361-7
Originalpreis: 9,95€

Kurzbeschreibung: 
In einer Londoner Schule wird ein Computerspiel herumgereicht – Erebos. Wer es startet, kommt nicht mehr davon los. Dabei sind die Regeln äußerst streng: Jeder hat nur eine Chance. Er darf mit niemandem darüber reden und muss immer allein spielen. Und wer gegen die Regeln verstößt oder seine Aufgaben nicht erfüllt, fliegt raus und kann Erebos auch nicht mehr starten. Erebos lässt Fiktion und Wirklichkeit auf irritierende Weise verschwimmen: Die Aufgaben, die das Spiel stellt, müssen in der realen Welt ausgeführt werden. 
Auch Nick ist süchtig nach Erebos – bis es ihm befiehlt, einen Menschen umzubringen… 

Meinung: 
Der Roman ist mit seinem Cover ein richtiger Eyecatcher. Es ist wahrlich nicht das schönste Cover, aber mir gefällt es und es passt auch zum Buch. Eigentlich mag ich es nicht, wenn die Kurzbeschreibung vorne im Buch steht und nicht auf der Rückseite, aber hier kann man damit leben, denn der Text dort macht deutlich neugieriger. Die Kurzbeschreibung ist eigentlich ganz gut. Der letzte Satz hätte vielleicht nicht zwingend sein müssen, aber er macht den Roman natürlich noch interessanter. Besonders mag ich wie schlicht der Roman gestaltet wurde.

Der Roman beschäftigt sich mit einer sehr aktuellen Thematik, die Poznanski tatsächlich gut umsetzt. Dabei war ich erstaunt wie gut es ihr gelungen ist das Thema auf den Punkt zu bringen. Einerseits war ich wie Nick süchtig nach diesem Computerspiel, andererseits hatte ich die ganze Zeit im Hinterkopf wie böse das Spiel eigentlich ist. Dass alle einander gegenüber misstrauisch sind und die Spieler gegenüber Nichtspielern plötzlich etwas Besseres sind, zeigt dies auch nochmal deutlich. Am Anfang erlebt man vor allem wie Nick sich in die Welt von Erebos einlebt und das ist so anschaulich geschrieben, dass man wirklich selbst am liebsten anfangen würde zu spielen. Bis zum Ende hin bleibt der Roman spannend, wahrscheinlich auch weil das genauso gut einem selbst passieren könnte. Es ist realistisch und zeitnah. Dass Jugendliche sich manchmal in Computerspielen verlieren, ihre Eltern und die Schule ignorieren und kaum noch das Haus verlassen, ist gar nicht so unüblich. Die Handlung fand ich nur geringfügig vorhersehbar, das waren dann aber auch Punkte, die nicht so bedeutend waren.

Nick ist ein überwiegend sympathischer Charakter. Manchmal ist er etwas nervig gewesen, aber ich konnte seine Gedanken immer nachvollziehen. Er hat typische Probleme für sein Alter, die mit eingeflochten werden. Zum Beispiel ist er in ein Mädchen verliebt, das ihn nicht wahrzunehmen scheint. Auch die anderen Charaktere wirken sehr glaubwürdig, wie aus dem Leben gegriffen und als könnte man ihnen jederzeit an der nächsten Straßenecke begegnen. Nicht alle sind sympathisch, aber da wir das Geschehen aus Nicks Perspektive betrachten, müssen sie das auch nicht sein. Im Gegenteil. Ihnen allen merkt man an, dass sie weder gut noch böse sind, sondern vielschichtig und geleitet von eigenen Motiven.

Poznanski hat einen sehr direkten Schreibstil. Keine blumigen Beschreibungen oder Jonglieren mit vielen Adjektiven. An keiner Stelle las sich der Roman zäh oder langatmig. Im Gegenteil. Zudem hatte ich sofort ein Kopfkino vor Augen, was wahrscheinlich vor allem daran liegt, dass Poznanski Verben – und damit Handlungen – in den Vordergrund rückt wie bei einem Drehbuch. Für die reale Welt und das Spiel verwendet die Autorin zwei verschiedene Zeitformen, um die Unterscheidung deutlich zu machen. Die reale Welt wird im Präteritum erzählt, die Spielwelt im Präsens, was letzterer – zumindest meinem Gefühl nach – einen gewissen Temposchub gibt.

So wie Nick kaum mit dem Spielen aufhören konnte, ging es mir mit dem Lesen dieses Buches. Ich hab dafür jede freie Minute genutzt, die ich hatte. Und war genervt, wenn ich aufhören musste. Es war mein erster Roman der Autorin und er hat mich voll überzeugen können. Ich liebe das Thema und dessen Inszenierung. Vor allem konnte ich mit Nicks „Besessenheit“ sogar gut mitfühlen. Das half sogar umso mehr dabei die Angelegenheit kritisch zu betrachten. Immerhin erlebt man dadurch beide Perspektiven, die eigene Außenstehende und die eines „Insiders“.

Fazit: 
Jenen, die gesellschaftskritische Romane suchen oder Romane über Computerspiele, kann ich „Erebos“ nur ans Herz legen. Ich denke, das Buch ist sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene ansprechend. Außerdem ist es feinste Unterhaltungsliteratur, die aber keineswegs trivial, sondern originell ist. Vor allem Spannung treibt die Handlung an.

Gesamt: 5/5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 5/5

Montag, 27. Juni 2016

[Rezension] Die Bestimmung von Veronica Roth

Titel: Die Bestimmung
Band: 1
Autor: Veronica Roth
Genre: Dystopie, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 19.03.2012
Seiten: 480
Verlag: cbt
Format: Hardcover
ISBN-13: 978-3-570-16131-9
Originalpreis: 17,99€

Kurzbeschreibung: 
Fünf Fraktionen, fünf verschiedene Lebensformen sind es, zwischen denen Beatrice sich entscheiden muss, als sie sechzehn wird. Sie weiß: Es ist die wichtigste Wahl ihres Lebens, denn sie entscheidet über ihre Familie, ihre Freunde, ihre Feinde.
Doch der Test, der über Beatrices innere Bestimmung Auskunft geben soll, zeigt kein eindeutiges Ergebnis. Sie ist eine Unbestimmte. Die aber gelten in der Welt, in der sie lebt, als hoch gefährlich…

Meinung: 
Das Buch ist ein typisches Hardcover, allerdings ohne Schutzumschlag, was mich persönlich nicht gestört hat. Das Cover ist schön stimmig und originell. Die Aufmachung ist an sich sehr schlicht und dadurch nicht aufdringlich oder störend. Die Kapitel sind übersichtlich unterteilt. Das einzige, was im Nachhinein vielleicht schön gewesen wäre, ist eine Karte der Fraktionsgebiete, um sich besser orientieren zu können. An sich ist es nicht schwer einen groben Plan im Kopf zu formen, aber ein offizieller Plan wäre trotzdem schön gewesen. So bleibt die Welt ein bisschen abstrakt zurück. Die Kurzbeschreibung finde ich durchaus ansprechend. Heutzutage würde das Buch vielleicht in der breiten Masse an Dystopien untergehen, aber als es rauskam, war die Beschreibung noch innovativ. Und ich war schon immer dafür: Lieber wenige, aber auf den Kern gebrachte Informationen als so viele, dass man das Buch gar nicht mehr zu lesen braucht.

Dieser Dystopie gelingt es spielend einfach den Leser in ihre Welt zu ziehen und das System zu verstehen. Das liegt vermutlich daran, dass es keine komplizierten Regeln gibt, sondern das System auf einigen wenigen Prinzipien basiert. Schon in den ersten Kapiteln lernt der Leser anschaulich etwas über die verschiedenen Fraktionen. Was mir richtig gut gefällt, ist die Tatsache, dass die Fraktionen nicht einfach in Frage gestellt werden und der Konflikt an einem ganz anderen Punkt greift. Normalerweise geht es immer darum, dass eine Protagonistin merkt, wie falsch die Welt, in der sie lebt, ist, aber Tris weiß zwar, dass die Ferox sehr fragwürdige Ideale verfolgen, aber am Fraktionensystem selbst zweifelt sie kein bisschen und das ist etwas Neues. Generell verläuft der Plot sehr zielgerichtet und handlungsgetrieben. Es passiert immer etwas und es wird auch nicht an Brutalitäten ausgespart. Dadurch werden die Geschehnisse greifbarer. Es gibt viele Kämpfe und Mutproben zu bewältigen. Das Thema hinter dem Roman hat mir auch sehr gefallen. Es geht um die verschiedenen Tugenden, die die Menschen besitzen. Leider können sich Tugenden aber auch in Laster verwandeln und dies wird hier aufgezeigt, der schmale Grat zwischen Tugend und Laster, zwischen richtig und falsch. Zwischen verschiedenen Extremen.

Tris ist eine sehr sympathische Identifikationsfigur. Durch ihre altruistische Herkunft ist sie noch recht ungeformt in ihrem Charakter und so fällt es sehr leicht ihren Gedanken zu folgen und sich in sie hineinzuversetzen. Aber sie ist dennoch kein flacher Charakter, ganz im Gegenteil. Ihre Ängste und Hoffnungen machen sie zu einer glaubhaften Figur, so wie es auch die anderen sind. Jeder hat eine innere Motivation und manchmal sind es vielleicht nur grobe Stereotypen, aber in einem Buch wie diesem passt das auch. Immerhin versuchen alle zu leben wie Stereotype. Ich mochte vor allem, dass ich keinen der Charaktere durchgehend sympathisch fand. Alle haben ihre Macken und wirken dadurch umso realistischer, wie aus dem Leben gegriffen.

Ich habe selten ein Buch gelesen, dass sich so schnell liest. Der Schreibstil ist nicht nur flüssig, die kurzen Kapitel erhöhen das Tempo, die vielen Handlungen folgen Schlag auf Schlag aufeinander und geben nur wenige Ruhemomente. Oft enden Kapitel in spannenden Cliffhangern und ehe man es sich versieht, liest man einfach weiter. Die Handlung wird außerdem mit Tris‘ Gedanken unterlegt, die aber in keinem Moment zu viel sind, sondern immer das richtige Maß haben und nicht abschweifen, sondern punktuell die Geschichte voranbringen. Normalerweise bin ich kein Fan der Ich-Perspektive, aber hier liest es sich so locker weg, dass es einem kaum auffällt – und da in diesem Roman sehr mit Gefühlen jongliert wird, passt es auch gut.

Ich bin absolut begeistert von diesem Buch. Es ist ein sehr starker Auftakt für eine dystopische Reihe. Ich habe das Buch schon damals kurz nach Erscheinen gelesen und war hin und weg. Später sind mir die Bücher leider abhandengekommen, aber der drängende Wunsch kam wieder in mir auf sie erneut zu lesen. Das kann ich nur von wenigen Büchern behaupten. Und es war ein Genuss erneut in die Welt von Tris zu schlüpfen, mit ihr eine Fraktion zu wählen und zu versuchen die Initiation zu überstehen.

Fazit:
Ich kann diese Dystopie guten Gewissens weiter empfehlen. In ihr steckt alles, was das jugendliche (und vielleicht auch erwachsene) Herz begehrt: Extrem viel Action, ein Hauch von Liebe, viel Humor und eine Prise Philosophie. Und vor allem der Ernst der Welt, packend und fesselnd.

Gesamt: 5/5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Gestaltung: 4/5
Schreibstil: 5/5
Preis/Leistung: 5/5

Samstag, 18. Juni 2016

[Rezension] Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky

Titel: Metro 2033
Band: 1
Autor: Dmitry Glukhovsky
Genre: Dystopie
Erscheinungsdatum: 03.11.2008
Seiten: 784
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-453-53298-4
Originalpreis: 14,00€

Kurzbeschreibung:
Es ist das Jahr 2033. Nach einem verheerenden Krieg liegen weite Teile der Welt in Schutt und Asche. Moskau ist eine Geisterstadt, bevölkert von Mutanten und Ungeheuern. Die wenigen verbliebenen Menschen haben sich in das weit verzweigte U-Bahn-Netz der Hauptstadt zurückgezogen und dort die skurrilsten Gesellschaftsformen entwickelt. Sie leben unter ständiger Bedrohung der monströsen Wesen, die versuchen, von oben in die Metro einzudringen... 
 Dies ist die Geschichte des jungen Artjom, der sich auf eine abenteuerliche Reise durch die U-Bahn-Tunnel macht, auf der Suche nach einem geheimnisvollen Objekt, das die Menschheit vor der endgültigen Vernichtung bewahren soll. 

Meinung:
Das Cover des Romans hält sich sehr zurück und sticht mit der rot-schwarzen Farbgebung aus der Masse heraus. Im Buch finden sich vorne und hinten jeweils eine Metrokarte, die die wichtigsten Informationen enthalten. So fällt es leicht, Artjoms Reise mit zu verfolgen. Erst spät aufgefallen sind mir die Anmerkungen im hinteren Teil des Buches, die bestimmte Begrifflichkeiten erklären, die einem internationalen Leser vielleicht weniger geläufig sind. Es gibt ein Kapitelverzeichnis am Anfang des Buches und die einzelnen Kapitelanfänge sind mit dem Coverbild hinterlegt. Ich fand die Trennung der Kapitel ganz gut gemacht, da man so nicht Gefahr läuft sich selbst zu spoilern und das Buch doch sehr auf Spannungsmomente setzt. Namen von Metrostationen sind außerdem kursiv hervorgehoben, was das Lesen deutlich vereinfacht. Die Kurzbeschreibung finde ich persönlich ausreichend und durchaus aufmerksamkeitserregend. Wieder einmal der Beweis dafür, dass auch wenige Informationen neugierig machen können.

Diese Dystopie hüllt einen sofort in diese grausige Welt ein. Anfangs hatte ich zwar Probleme mit den vielen Informationen, die auf mich einprasselten und dem Merken der Stationsnamen, über die ich beim anfänglichen Lesen öfters stolperte, aber das Buch nahm schnell Fahrt auf und schafft es alle wichtigen Geschichtshintergründe stimmig einfließen zu lassen. Die Atmosphäre ist düster und zum Spüren greifbar beschrieben. In der Metro leben zu müssen und nie ans Tageslicht zu können, das ist ja schon an sich schrecklich, aber dann gibt es überall seltsame Vorkommnisse. Der Roman liest sich sehr zügig und Artjom scheint sich ständig wieder in neue Schwierigkeiten zu bringen. Manchmal hatte er etwas zu viel Glück für meinen Geschmack, aber dennoch war es in Maßen gesät. Was ich sehr interessant fand, war dass das Buch so realistisch geschrieben ist als könnte es einem selbst geschehen. Figuren treten nicht ständig wieder auf, Charaktere, von denen man vielleicht sogar dachte, sie wären wichtig, sterben. Das heizt die Spannung an. Diese wird vor allem durch den psychologischen Effekt erzeugt, nicht durch irgendwelche Gemetzel. Zwischendrin gab es ab und zu mal Szenen, die ich etwas langweilig fand oder mir nicht gefielen, aber bei einem so dicken Wälzer, bei dem ständig etwas passiert, kann einem nicht jede einzelne Szene gefallen. Das Ende fand ich sehr gut gemacht, auch wenn es den Leser vor den Kopf stößt, und der Cliffhanger ist fast schon gemein, aber macht definitiv Lust auf mehr.

Artjom empfand ich persönlich als recht austauschbaren Charakter, aber das unterstützt natürlich das Identifikationspotenzial. Er hat durchaus seine Eigenheiten, aber viel erfährt man nicht über ihn. Dagegen wirken die vielen anderen Charaktere, die auftreten deutlich tiefgründiger ausgearbeitet. Aber dennoch mochte ich Artjom als Perspektivträger. Er war kein nerviger Protagonist und seine Gedankengänge konnte ich meistens gut nachvollziehen. Generell muss man sagen, dass viele der auftretenden Person etwas seltsam sind, aber das liegt wohl an der Welt, in der der Roman spielt. Einige Charaktere wirken sofort sympathisch, an manche muss man sich erst gewöhnen und mit manchen wird man nie warm. Aber das muss man auch nicht.

Der Schreibstil war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, auch wenn er sehr gut zum Stil des Buches passt. Es ist ein recht einfacher Stil, würde ich sagen, der es dem Leser vereinfacht der Geschichte zu folgen. So fällt es nicht schwer mal eben mehrere hundert Seiten am Stück zu lesen. Die russischen Begriffe fand ich an sich nur anfangs störend, aber eher weil ich mir ihren Klang erst einmal einprägen musste. Etwas seltsam fand ich dafür, dass manche Metrostationen übersetzt wurden. Das war zwar oft als Erklärung hilfreich, aber ich hätte es einheitlich schöner gefunden.

Am Anfang war ich noch etwas skeptisch, aber das Buch hat mich letztendlich voll überzeugt. Es ist wahrscheinlich nicht für jeden geeignet. Aber wer sich nicht so schnell gruselt, ist hiermit bestens bedient. Die düstere Atmosphäre ist bemerkenswert gut inszeniert. Es ist keine Lektüre für Zwischendurch, aber voller Spannung und einer Welt besonderer Art.

Fazit: 
Mit diesem Roman ist Dmitry Glukhovsky ein voller Erfolg gelungen. Das Buch lädt in eine düstere Metrowelt im Jahr 2033 ein und führt einem von der einen spannenden Szene zur nächsten. Ich kann das Buch nur jedem ans Herz legen, der Dystopien mag, die weniger auf Liebesgeschichten, aber dafür umso mehr auf Handlung setzen.

Gesamt: 5/5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Gestaltung: 4/5
Schreibstil: 4/5
Preis/Leistung: 5/5