Sonntag, 28. April 2019

[Blogreihe] Phantastik-Heldinnen – Mercedes Thompson

In dieser Blogreihe, die von Meara Finnegan ins Leben gerufen wurde, geht es um weibliche Helden, damit diese mehr Aufmerksamkeit bekommen – denn sie müssen sich nicht hinter den männlichen Helden verstecken. Es soll um Frauen gehen, die nachhaltig beeindrucken und ergründet werden, warum das eigentlich so ist. Wer mitmachen möchte oder auch die anderen Beiträge lesen möchte, kann einfach mal hier schauen.

Die Mercy-Thompson-Reihe
2007 erschien der erste Roman der Reihe, Ruf des Mondes, im deutschen Sprachraum und gesellte sich zu den vielen anderen Urban-Fantasy-Reihen, die zu dem Zeitpunkt auf dem Buchmarkt miteinander wetteiferten. Das war noch, als Vampire und Werwölfe im Trend waren und das Fantasy-Regal in der Buchhandlung gefühlsmäßig von ihnen dominiert wurde. In den meisten dieser Bücher ging es um die große Liebe zwischen Mensch und Vampir – und meistens wurde der Mensch verwandelt, um mit dem Vampir in den Horizont der Ewigkeit reiten zu können, oder so ähnlich. Die Twilight-Reihe ist dabei nur der berühmteste Vertreter und ich könnte noch viele andere auflisten. Warum erzähle ich das? Weil die Mercy-Thompson-Reihe etwas ganz anderes war und ist. Ich habe damals einige dieser Romane gelesen und viele davon konnten mich nur mäßig beeindrucken, meistens war lediglich der Humor bestechend. Aber Patricia Briggs hat es geschafft einen actionreichen Urban-Fantasy-Roman zu schreiben. Bei ihr geht es nicht nur um Romantik. Bei ihr gibt es immer eine verwickelte, spannungsgeladene Handlung, die zur Sache geht. Und gleichzeitig ist die Protagonistin eine Frau, nämlich Mercedes Thompson. Und sie steht definitiv nicht als wehrlose Jungfer hinter den Männern zurück.

Wer ist Mercedes?
Knapp gesagt ist sie Auto-Mechanikerin und kann sich in einen Kojoten verwandeln. Im Roman wird sie als Walker oder auch Gestaltwandler bezeichnet. Sie ist die Tochter des Indianergottes Coyote und gehört damit zu einer sehr seltenen phantastischen Rasse, denn es gibt nur sehr wenige Walker. So selten das auch sein mag, es ist dennoch nicht besonders spektakulär. Mercy kann sich wie gesagt in einen Kojoten verwandeln und findet im Laufe der Reihe heraus, dass sie Magie gegenüber resistenter ist als andere Wesen, wie Vampire oder Werwölfe. Außerdem kann sie Geister sehen. Aufgezogen wurde sie von dem Alpha-Werwolf Nordamerikas und kennt sich daher sehr gut mit deren Politik aus. Zu Beginn der Reihe lebt sie aber abgeschieden in den Tri-Cities. Ganz so abgeschieden aber auch nicht, denn dort leben auch ein Werwolf-Rudel, eine Vampir-Siedhe und es gibt einen Vorort voller Feenwesen – die allerdings nicht so harmlos sind, wie es klingt. Und obwohl Mercedes zwischen diesen Gestalten eigentlich eine eher kleine Nummer ist, gerät sie immer wieder in Schwierigkeiten. Der Clou ist allerdings, dass sie nicht auf Rettung wartet, sondern sich selbst hilft. Sie ist stur, unabhängig und scheut sich nie davor, anderen zu helfen. Außerdem ist sie auch nicht auf den Kopf gefallen und meistens ist es dieser gepaart mit ihrem Scharfsinn, der sie aus den brenzligsten Situationen befreit.

Worum geht es in der Romanreihe?
Um das alles wiederzugeben, könnte man Romane füllen – nun ja, die Mercedes-Thompson-Reihe eben. Aber Spaß beiseite. Die Romane verfolgen eine krimiartige Struktur, in der Mercedes aufdeckt, wer die Strippen zieht. Der erste Band beginnt beispielsweise damit, dass ein junger Werwolf bei Mercedes in der Werkstatt arbeiten möchte. Da sie ein gutes Herz hat, lässt sie es zu. Allerdings ist er in finstere Machenschaften verwickelt und schließlich tauchen andere Werwölfe auf und es wird ziemlich gefährlich für Mercy. Ich will an dieser Stelle nicht spoilern, denn ich freue mich immer, wenn jemand diese Reihe lesen möchte. Aber im Grunde geht es danach darum, aufzudecken, was genau es mit diesen Werwölfen auf sich hat. Das klingt jetzt erst einmal nach einem Detektivroman, aber es ist viel mehr, denn Patricia Briggs hat es geschafft, Politik und Action im richtigen Maß miteinander zu mischen. Die soziale Struktur zwischen den magischen Wesen und auch den Menschen steht immer im Vordergrund der Geschichten und gleichzeitig passiert viel.

Mercy macht sich häufig die Hände schmutzig und ist auch gar nicht zimperlich. Tatsächlich muss sie im Laufe der Reihe auch eine Menge durchmachen – und man kauft es ihr ab. Versteht mich nicht falsch, aber oftmals werden tragische Ereignisse in Romanen heruntergespielt. Hier passiert das nicht und der Leser erlebt langsam mit, wie Mercy sich wieder aufbaut. Aber sie ist trotzdem kein Opfer. Im Gegenteil ist sie es in der Regel, die Leben rettet. Zwar ist sie nicht immer im Vordergrund der Action – denn mal ehrlich, Werwölfe können dann doch mehr ausrichten als Kojoten – aber trotzdem ist sie die treibende Kraft hinter allem und mausert sich zu einer wichtigen Schlüsselfigur in der Politik der Werwölfe, Vampire und Feenwesen, die ihr alle auf die ein oder andere Art Respekt zollen.

Sie findet im Verlauf der Reihe auch einen festen Partner, aber das steht nicht im Vordergrund der Handlung. Auch Sex ist quasi kein Thema. Das ist ein weiterer Grund dafür, dass dieser Roman sich hervorhebt. Es wird keine Handlung darum gesponnen, um die große Liebe zu finden. Stattdessen wird dies als Subplot in die Geschichte eingebettet – und zwar diskret. Mercedes macht dem Leser schnell klar, dass sie keine Frau ist, die einen Mann braucht. Tatsächlich tut sie sich sogar eher schwer, sich in die Verantwortung eines Partners zu überlassen und mag ihre Unabhängigkeit. Sie verlässt sich nicht darauf, dass ihre Liebe sie schon retten und all ihre Probleme lösen wird. Lieber nimmt sie die Dinge selbst in die Hand, auch wenn sie dadurch in Gefahr gerät. Außerdem wird hier auch schön gezeigt, dass Freundschaften zwischen Mann und Frau durchaus möglich sind.

Warum hebt sich Mercedes von anderen weiblichen Figuren ab?
Nun, jetzt habe ich bereits viel gesagt, aber warum genau ist Mercedes als weibliche Romanfigur etwas Besonderes? Das lässt sich ganz leicht beantworten: Sie verhält sich wie ein echter Mensch. Sie hat es nicht nötig, auf ihren Prinzen zu warten. Sie hat es nicht nötig, sich den anderen Figuren unterzuordnen. Und abgesehen davon, dass sie auch die ich-erzählende Perspektivträgerin der Geschichte ist, ist sie vorbildlich aktiv. Sie lässt sich nichts vorschreiben, außer sie selbst weiß, dass es zu ihrem besten ist. Interessant ist dies auch im Rahmen der Erzählung selbst, da nicht alle Frauen Mercys Beispiel folgen. Stattdessen könnte man sogar eher sagen, dass Mercedes auch innerhalb der Reihe ein positives Beispiel vorgibt und sich die anderen Figuren nach und nach diesem anschließen. Während Mercedes ja grundsätzlich eine eher schwache Figur in Bezug auf ihre Fähigkeiten ist, ist sie viel aktiver als Marsilia, die Anführerin der Vampir-Siedhe, die sich tatsächlich von ihren Untergebenen beschützen lässt und diese als ihre Laufburschen ausnutzt. Gerade auch im Hinblick auf die Werwolf-Hierarchie ist das noch einmal interessant, da Frauen auch dabei unterwürfig dargestellt werden – ihnen kommt immer eine niedrigere Rolle als den männlichen Rudelmitgliedern zuteil. Mercy sticht in ihrer eigenen Romanreihe also bereits hervor. Aber auch ein Vergleich mit anderen Urban-Fantasy-Romanen über Werwölfe und Vampire zeigt, dass sie anders ist.

Gerade damals waren Mercedes Thompson und ihre Romane für mich etwas ganz besonderes, weil sie sich nicht der klassischen Elemente des Genres bedient haben. Der Lebenssinn einer Frau ist es nicht nur, einen Mann zu finden. Und genau das wird hier gut gezeigt, allein schon, weil die Reihe nicht damit abschließt, dass Mercedes einen Partner findet – und dies nicht einmal ansatzweise im Mittelpunkt der Handlung steht. Zwar wird es den Umständen entsprechend in den Plot eingebunden, aber ihre Beziehung wird menschlich dargestellt und wenn man sie aus dem Roman streichen würde, würde nicht die ganze Reihe in sich zusammenbrechen – versucht das mal mit Twilight. Und auch wenn Mercy viel durchmachen muss, steht sie immer wieder auf. Sie lässt sich nicht unterkriegen. Sie weiß, was sie kann und zeigt das auch. Damit ist sie eine der besten weiblichen Heldinnen, die die Urban-Fantasy-Literatur zu bieten hat. Und wer mir nicht glauben will, darf sich gerne selbst davon überzeugen oder kann meine Rezensionen zur Buchreihe lesen, die ich unter dem Beitrag verlinken werde.

Rezensionen zur Romanreihe:
01: Briggs Patricia - Ruf des Mondes
02: Briggs Patricia - Bann des Blutes
03: Briggs Patricia - Spur der Nacht
04: Briggs Patricia - Zeit der Jäger
05: Briggs Patricia - Zeichen des Silbers
06: Briggs Patricia - Siegel der Nacht
07: Briggs Patricia - Tanz der Wölfe
08: Briggs Patricia - Gefährtin der Dunkelheit
09: Briggs Patricia - Spur des Feuers
10: Briggs Patricia - Stille der Nacht
11: Ruf des Sturms erscheint im Oktober 2019.

Bisherige Beiträge zur Blogreihe:
15. April: Lúthien Tinúviel (J.R.R. Tolkien)
28. April: Mercedes Thompson (Patricia Briggs)

Montag, 7. Januar 2019

[Kurzrezension] Play to live - Der Cyber-Clan von Dmitry Rus

Titel: Der Cyber-Clan
Reihe: Play to live
Band: 2
Autor: Dmitry Rus
Genre: Science Fiction, LitRPG
Erscheinungsdatum: 10.09.2018
Seiten: 432
Verlag: Heyne
Format: Paperback
ISBN-13: 978-3-453-31908-0
Originalpreis: 13,99€

Kurzbeschreibung:
Die nahe Zukunft: In Russland entschließen sich immer mehr Menschen, der Wirklichkeit den Rücken zu kehren. Sie klinken sich in Virtual-Reality-Games ein, in denen sie von nun an ein digitales ewiges Leben haben. Max ist so ein Perma-Player, und zunächst ist es das Paradies. Doch schon bald dämmert den Playern, dass die Regierungen der alten Wirklichkeit ihre Augen auf die Ressourcen und Möglichkeiten der Game-Welten geworfen haben und dafür über Leichen gehen. Max und seine Mitstreiter müssen als Clan zusammenhalten – oder sterben ...

Meinung:
Mit dem zweiten Band der LitRPG-Reihe aus Russland taucht der Leser noch tiefer in die Welt des Spiels AlterWorld ein. Während es im ersten Teil noch mehr darum ging, mit Max die Spielmechaniken kennenzulernen und erst spät richtige Handlungswendungen aufkamen, geht es im zweiten Teil schnell zur Sache. Das zieht sich durchs ganze Buch und treibt die Spannung in die Höhe. Obwohl einem Max‘ Glück an manchen Stellen doch etwas übertrieben vorkommt, fesselt die Geschichte wieder schnell. Auch viele neue Charaktere treten auf, die man schnell zu mögen lernt. Es sind tatsächlich auch ein paar weibliche Charaktere dabei, die diese von Männern dominierte Welt ein wenig aufmischen. Trotzdem bleibt die Darstellung immer noch sehr sexistisch. Dafür steht die Sache mit den Zigaretten, die mir im ersten Band schon nicht gefallen hat, wenigstens nicht mehr im Mittelpunkt. Ein großer Wermutstropfen war diesmal vor allem Max‘ Ausdrucksweise. Gefühlt auf jeder Seite spricht er von seinem „inneren Gierschlund“ als wäre es eine Person und verweist so oft darauf, dass man als Leser irgendwann mehr als genervt davon ist. Wenn man darüber hinwegsehen kann, bietet der Roman aber auch wieder jede Menge Höhepunkte. Das Ende war insgesamt auch sehr überraschend, auch wenn es nicht völlig unvorhersehbar war. Der neue Cliffhanger macht das Warten auf den dritten Band auf jeden Fall bittersüß.

Fazit:
„Play to live – Der Cyber-Clan“ reißt zwar nicht so sehr mit, wie der erste Band es vermochte, bietet dafür aber umso mehr Handlung. Der Schreibstil ist dabei sehr humorvoll und Max ein erfrischender Protagonist. Wer dieses Buch vor allem aus Unterhaltungszwecken liest und einmal in das Genre hineinschnuppern möchte, wird auch mit dem zweiten Band mit Sicherheit seine Freude haben.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Schreibstil: 4/5

Gesamt:

Sonntag, 6. Januar 2019

[Rezension] Thalamus von Ursula Poznanski

Titel: Thalamus
Autor: Ursula Poznanski
Sprecher: Jens Wawrczeck
Genre: Thriller, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 13.08.2018
Hörzeit: 12 Stunden, 8 Minuten
Verlag: der Hörverlag
Format: Hörbuch
Fassung: Ungekürzt
ISBN-13: 978-3-8445-3029-2
Originalpreis: 17,00€

Kurzbeschreibung:
Der fremde Wille im eigenen Kopf
Nach einem Motorradunfall soll sich der 17-jährige Timo im Rehabilitationszentrum Markwaldhof von seinem schweren Schädel-Hirn-Trauma erholen. Schnell stellt er fest, dass sich merkwürdige Dinge im Haus abspielen: Der Wachkomapatient, mit dem er sich das Zimmer teilt, läuft nachts herum, spricht – und droht damit, Timo zu töten, falls er anderen davon erzählt. Und allmählich entdeckt Timo an sich selbst Fähigkeiten, die neu sind: Er kann Dinge, die er nicht können dürfte. Weiß von Sachen, die er nicht wissen sollte …

Meinung:
Mit „Thalamus“ wagt sich Poznanski wieder an ein neues Thema heran. Diesmal geht es um neurologische Krankheiten. Dass die Autorin ausgezeichnete Jugendthriller schreiben kann, die den Zeitgeist treffen, hat sie bisher mit ihren anderen Werken wie „Erebos“ oder „Elanus“ schon oft bewiesen.

Der Einstieg in den Roman ist schnell und der Leser ist von Anfang an dabei, während Timo seinen Unfall hat, wodurch das Geschehen viel präsenter wird. Gleichzeitig ist die Spannung dadurch auch von der ersten Seite an da. Poznanski gelingt es sehr gut, die Atmosphäre des Krankenhauses und des Rehabilitationszentrums einzufangen. Auch die Interaktionen zwischen der Familie und alten und neuen Bekannten werden dabei nachvollziehbar geschildert. Die Handlung zieht sich im Roman zwischenzeitlich etwas hin und am Ende passiert dann alles auf einmal. Das ist aber gar nicht so schlimm, denn es ist sehr angenehm, den Alltag im Rehabilitationszentrum mitzuerleben. Gerade dies ist auch die große Stärke des Romans, da er trotz oder gerade wegen der alltäglichen Schilderungen überzeugt und Nähe zum Leser aufbaut. Etwas schade ist allerdings, dass einzelne Plotelemente schnell vorhersehbar sind und das Ende daher ein wenig an Einschlagkraft verliert, auch wenn es gerade durch die vielen Ereignisse, die sich schließlich auftun, dennoch sehr spannend ist. Das grundsätzliche Szenario ist ein wenig gruselig, aber auch sehr faszinierend.

Timo kann als typischer Protagonist beschrieben werden. Wie auch in anderen Romanen der Autoren bleibt er charakterlich eher zurück und bietet dadurch hohes Identifikationspotenzial. Er ist neugierig und schließt schnell Freundschaften, wodurch er aber auch sympathisch wirkt. Dass es ihm an tiefgehendem Charakter fehlt, ist in diesem Fall gar nicht schlimm, da es im Roman nicht darum geht. Manchmal agiert Timo zwar etwas irrational, aber auch das wird in der Regel nachvollziehbar beschrieben. Die anderen Charaktere bekommen vergleichsweise etwas mehr Raum für Tiefe und bleiben einem im Kopf präsent, da sie alle auf ihre Art außergewöhnlich und doch normal sind.

Jens Wawrczeck hat bisher alle Hörbücher der Autorin eingesprochen, in denen der Protagonist männlich ist. Auch diesmal macht er seine Sache grandios und erzeugt eine realistische Geräuschkulisse, bei der immer klar ist, wer spricht. Auch Poznanskis bildlicher Schreibstil passt wieder sehr gut, wodurch gerade die von ihr erzeugte Atmosphäre in den Vordergrund tritt. Dadurch fiebert man als Leser umso mehr mit Timo mit.

Obwohl das Thema nicht so spielerisch oder abenteuerlich ist wie manch andere Romane der Autorin, ist ihr trotzdem ein spannender und vor allem auch sympathischer Jugendthriller gelungen. Wie immer kann man einige Handlungsfäden schon vorhersehen, aber das tut dem Lesen keinen Abbruch, da das Gesamtkonstrukt dennoch interessant ist und Poznanski zwischendurch immer wieder zu überraschen weiß. Der Sprecher hat maßgeblich dazu beigetragen, den Roman und die Charaktere lebendig werden zu lassen. Das Thema des Romans ist auch wieder hochaktuell und bietet dafür viel Stoff für Diskussionen.

Fazit:
„Thalamus“ ist wieder eine gelungene Komposition aus sympathisch und lebensnahen Charakteren und einer spannenden Handlung mit relevantem Thema. Der Sprecher Jens Wawrczeck macht den Roman außerdem zu einem besonderen Hörbuch-Vergnügen.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Sprecher: 5/5
Schreibstil: 4/5
Hörspaß: 5/5

Gesamt:

Sonntag, 28. Oktober 2018

[Rezension] Magic Guardians - Der Fluch des Greifen von Todd Calgi Gallicano

Titel: Der Fluch des Greifen
Reihe: Magic Guardians
Band: 1
Autor: Todd Calgi Gallicano
Genre: Fantasy, Kinderbuch
Erscheinungsdatum: 03.09.2018
Seiten: 448
Verlag: cbj
Format: Hardcover
ISBN-13: 978-3-570-17575-0
Originalpreis: 15,00€

Kurzbeschreibung:
Fantastische Tiere, ferne Länder und eine Welt in Gefahr …
Sam London ist völlig gewöhnlich, geradezu unbesonders, wie er es ausdrückt. Doch das ändert sich schlagartig, als er der Spur eines merkwürdigen Traums folgt und plötzlich vor einem waschechten Greifen steht. Bevor er sichs versieht, steckt er mitten in einem gefährlichen Abenteuer, das ihn in die entferntesten Winkel der Welt und zu einem geheimen Institut führt. Dort erfährt er das Unglaubliche: Magische Wesen gibt es tatsächlich und sie leben unter uns! Ein mächtiger Zauber schützt sie und hält sie vor der Menschheit verborgen. Doch dieser Zauber ist nun in Gefahr, und es ist an Sam, ihn und alle magischen Wesen zu retten ...

Meinung:
Nachdem aktuell die Filmreihe „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ im Kino läuft, ist es nicht verwunderlich, dass die „Magic Guardians“-Reihe an das Erfolgskonzept anknüpft. Gleichwohl wurden Tiere als starkes Handlungselement oder Charaktere in der Kinderliteratur schon immer favorisiert. Das Konzept von Nationalparks in Verbindung mit fantastischen Kreaturen ist auf jeden Fall originell und verwebt die phantastische Ebene hervorragend mit der gewöhnlichen Welt. Aber ist die Handlung auch so gut wie die Idee verspricht?

Der junge Sam London stellt fest, dass er mitten in die Geschehnisse der Magic Guardians verstrickt ist, einer Gruppe Menschen, die sich darum kümmern, dass niemand von der Existenz der phantastischen Wesen erfährt. Auf den über 400 Seiten passiert eine ganze Menge und manchmal überschlagen sich die Ereignisse geradezu. Manchmal plätschert es aber auch eher dahin und zieht sich. Vor allem das Ende ist dabei ein bisschen durcheinander geschrieben. Generell kann man sagen, dass die Handlung vorhersehbar ist und damit auch nicht hinter dem Berg hält, aber andererseits gibt es trotzdem auch Überraschungen – teilweise auch innerhalb der vorhersehbaren Ereignisse. Dennoch hat man an einigen Stellen des Romans das Gefühl, dass der Autor ruhig zurückhaltender hätte sein können oder in anderen Momenten die Logik seiner Szenen noch einmal überdenken hätte sollen. Die Welt wirkt aber trotzdem glaubwürdig und wird mit historischen Erklärungen belegt. Es gibt außerdem viele Schauplätze und der Leser lernt vor allem viele Nationalparks kennen, wenn auch meist nur deren Namen.

Sam London ist kein besonderer Junge, wie er meint. Und das zieht sich auch wie ein roter Faden durch den Roman. Er hat einfach keine richtigen Eigenschaften. Obwohl es am Anfang noch heißt, er kenne sich sehr gut mit phantastischen Wesen aus, weil er Bücher darüber gewälzt hat, wird das später vollkommen revidiert, da er als Neuling in die Welt der Magic Guardians eintritt und die Rolle des Unwissenden mimt. Es wirkt auch extrem erzwungen, dass Sam nicht besonders ist. Im Gesamten wirkt er weder sehr sympathisch noch unsympathisch. Er zeigt trotz seiner Vorliebe für phantastische Kreaturen außerdem erstaunlich wenig Begeisterung. Auch über die anderen Charaktere lernt man herzlich wenig, obwohl aus verschiedenen Perspektiven berichtet wird. Man bekommt zwar einen groben Eindruck von den Charakteren, aber nie etwas Tiefgründiges. Alles bleibt oberflächlich. Trotzdem wird die Geschichte sympathisch erzählt, was aber eher am Schreibstil liegt.

Dieser ist zudem sehr aussparend und wenig detailliert. Auch ist die Perspektive manchmal nicht ganz klar, da sie sich an einigen Stellen zu vermischen scheint. Originell ist die Aufbereitung der Kapitel. Hier gibt es zu Beginn einiger Kapitel Fallakten der Magic Guardians, die zwar meist wenig zur Handlung beitragen und eher ein Gimmick sind, aber trotzdem nett zu lesen sind. Am Ende findet sich außerdem ein Glossar mit Bildern und Beschreibungen zu den meisten erwähnten Kreaturen.

Der Romanauftakt richtet sich ganz klar an eine jüngere Zielgruppe. Die Charaktere werden eher grob charakterisiert und die Handlung steht im Fokus. Es hat durchaus Spaß gemacht, den Roman zu lesen, was vor allem an einigen Charakteren und den interessanten Schauplätzen lag. Die Handlung ist für einen Kinderroman komplex, aber dennoch zieht sich von Anfang an ein roter Faden hindurch, wodurch man die Geschichte schnell aufdröseln könnte, wenn man gut aufpasst. Lediglich die zäheren Stellen trüben das Leseerlebnis. Alles in Allem ist die Idee auf jeden Fall interessant und thematisch auch nicht zu abgehoben.

Fazit:
„Der Fluch des Greifen“ ist ein spannender Kinderroman, bei dem sich die Ereignisse oft überschlagen, aber dafür auch ab und zu einem langsameren Tempo folgen. Die Charaktere wirken alle sympathisch, auch wenn sie nur oberflächlich beleuchtet werden. Die phantastischen Tiere als Aufhänger der Geschichte wurden vielversprechend integriert.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Schreibstil: 3/5

Gesamt:

Freitag, 14. September 2018

[Kurzrezension] Eine Welt ohne Prinzen von Soman Chainani

Titel: Eine Welt ohne Prinzen
Reihe: The School for Good and Evil
Band: 2
Autor: Soman Chainani
Genre: Fantasy, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 09.01.2018
Seiten: 512
Verlag: Ravensburger
Format: Hardcover
ISBN-13: 978-3-473-58516-8
Originalpreis: 16,99€

Kurzbeschreibung:
Agatha und Sophie kehren an die Schule der Guten und Bösen zurück, doch dort ist nichts mehr, wie es war. Statt Gut gegen Böse heißt es nun: Mädchen gegen Jungen! Prinzessinnen aller Märchenkönigreiche haben ihre Prinzen vor die Tür gesetzt und regieren allein. Das wollen sich die Prinzen natürlich nicht bieten lassen - und greifen an! Was die Mädchen nicht ahnen: Die größte Gefahr lauert mitten unter ihnen ...

Meinung:
Mit dem zweiten Band der Reihe werden die Geschehnisse wieder vollkommen neu aufgerollt – und das Ende auch ein bisschen negiert. Als Agatha und Sophie an die Schule zurückkehren, ist alles anders als zuvor. Es gibt kein Gut gegen Böse mehr, sondern nur Mädchen gegen Jungs. Es stehen also Geschlechterrollen im Fokus. Und die sind plötzlich vollkommen verdreht. Damit inszeniert Chainani eine alte Thematik auf eigene Art. Ein bisschen erinnert der zweite Band dadurch an eine typische Internatsgeschichte, aber der Ansatz ist trotzdem interessant. Obwohl sich leider viel zum ersten Band wiederholt, liest sich auch der zweite Band sehr angenehm. Die Moral hinter der Geschichte wird stark betont, aber drängt sich dem Leser auch nicht auf. Die neuen Freundschaftskonstruktionen sind auch erfrischend, auch wenn die Streitereien in diesem Band manchmal etwas erzwungen und unnötig wirken. Agatha und Sophie haben sich halbwegs weiterentwickelt, kämpfen aber immer noch mit ihren alten Angewohnheiten – was absolut glaubwürdig ist. Wer wird schon von heute auf morgen zu einem völlig anderen Menschen? Obwohl es viele gleichartige Handlungsmuster gibt, die Chainanis Versuch, das Märchen und seine Klischees aufzubrechen, ein wenig widersprechen, ist auch der zweite Band wieder ein reines Lesevergnügen und mal etwas anderes.

Fazit:
„Eine Welt ohne Prinzen“ stellt alles, was der Leser im ersten Band erfahren hat, völlig auf den Kopf und spielt dabei wieder mit den altbekannten Märchenmustern, auch wenn Chainani eigene Regeln für sein Märchen aufstellt. Die Handlung ist zwar zum ersten Band hin ähnlich angelegt, aber dennoch spannend und lädt zum längeren Verweilen ein.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Schreibstil: 4/5

Gesamt: