Montag, 23. Juli 2018

[Rezension] Spitzentitel von Antonio Manzini

Titel: Spitzentitel
Reihe: SALTO
Autor: Antonio Manzini
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: August 2018
Seiten: 80
Verlag: Klaus Wagenbach
Format: Hardcover
ISBN-13: 978-3-8031-1329-0
Originalpreis: 15,00€

Klappentext:
Tolstois »Krieg und Frieden« ist überarbeitet worden. Es heißt jetzt nur noch »Frieden«. Der Krieg musste weg. Er hat die Leute beunruhigt. In der Welt unserer Leser gibt es nur Liebe, Zuversicht und Gleichklang. Gewöhnt Euch daran! Denn jetzt nehmen wir uns »Anna Karenina« vor …

Er schaut auf den Monitor seines Computers und schreibt ENDE auf das weiße Blatt. Es ist 23:30 Uhr an einem Oktoberabend, als der berühmte Schriftsteller Giorgio Volpe seinen neuen Roman abschließt. Am folgenden Morgen ruft er gutgelaunt im Verlag an, um die frohe Botschaft zu verkünden.

Dort aber ist nichts mehr wie zuvor: Der Verlag wurde von einem Großkonzern geschluckt, nun haben windige Investoren das Sagen. Statt der vertrauten Stimme seiner Lektorin hört Volpe einen Anrufbeantworter in sieben Sprachen, und wenig später stehen zwei dubiose Typen vor der Tür, die sein Buch publikumstauglich umschreiben wollen. Doch damit fängt das Unheil erst an …


Meinung:
Bücher über Bücher lassen das Herz jedes Bibliophilen höherschlagen. In diesem Buch geht es allerdings weniger um Bücher an sich, als um Autoren und das Verlagswesen und die Fallstricke und Tücken der Modernisierung. Und das alles wird im Rahmen einer satirischen Kurzgeschichte erzählt. Ist das Bild, welches der Autor zeichnet, realistisch oder hanebüchene Fantasie? Bewegen wir uns noch in einer Satire oder bereits in der Realität?

Der Leser lernt zunächst den Schriftsteller Giorgio Volpe kennen. Dieser hat sein neuestes Buch beendet und es könnte der nächste Bestseller werden. Das Ganze soll schnell unter Dach und Fach gebracht werden. Aber dann kommt alles anders als gedacht und nicht nur der Leser, sondern auch Giorgio fühlen sich wie in einem Science Fiction-Roman gefangen. Es gibt viele Stellen, die so überspitzt sind, dass man nicht sicher ist, ob es ernst gemeint sein kann. Die Satire gelingt ausgezeichnet, dennoch bleibt einem immer wieder das Lachen im Halse stecken und wird eher zu einem Magenziehen. So amüsant die Lektüre sein mag, so unbehaglich fühlt man sich gleichzeitig. Es kommt sofort Mitgefühl für Giorgio auf, der den Albtraum eines jeden Autors durchleben muss. Das Buch lässt einem auf den achtzig Seiten keine Atempause, sondern gestaltet sich als eine intensive Lesereise. Das Ende ist recht überraschend, aber passend.

Giorgio ist eigentlich kein sympathischer Protagonist. Er ist der typische egozentrische Autor, an den man klischeehafterweise sofort denken muss. Dennoch fällt es nicht schwer, sich mit ihm zu identifizieren, gerade wenn man selbst ein Autor ist. Denn Giorgios Charakter ist nicht der Kern der Geschichte, vielmehr ist es die Handlung, die Ereignisse, mit denen er konfrontiert wird. Und dahingehend kann man gar nicht anders als mit ihm mitfühlen.

Manzinis Schreibstil liest sich leicht und beschwingt. Man braucht ein wenig, um in die Geschichte hineinzufinden, aber durch die geradlinige Handlung ist das kein Problem. Gerade der satirische Humor kommt gut rüber und obwohl man sich ständig denkt, jetzt wäre es zu viel, passt es wie die Faust aufs Auge.

Spitzentitel ist mir völlig überraschend in der Stadtbibliothek ins Auge gestochen. Und genauso überraschend hat mich die Geschichte gut unterhalten. An manchen Stellen wurde es mir zwar fast zu absurd, aber das ist auch irgendwie der Bestandteil und Sinn des Buches. Gleichzeitig muss man ganz schön schlucken, wenn man die Parallelen zum aktuellen Buchmarkt entdeckt. Natürlich ist Spitzentitel keine gehaltlose Unterhaltungslektüre, sondern sollte als Satire gelesen und verstanden werden, aber auf beiden Ebenen weiß die Geschichte kurzweilig zu unterhalten.

Fazit:
Spitzentitel ist kein Roman über Bücher, sondern über Autoren und das Verlagswesen. Die Satire hat einen rasanten, ereignisreichen Plot und schafft es, die durchaus klischeehaften Charaktere darin gut zu verpacken. Der Unterhaltungsfaktor ist groß, aber besonders bleibt das Buch wegen seiner beängstigenden Visionen im Gedächtnis.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 4/5
Schreibstil: 4/5

Gesamt: 

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