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Montag, 27. August 2018

[Rezension] Die Zeitmaschine von H.G. Wells

Leider ist die Ausgabe beim dtv-Verlag
nicht mehr erhältlich.
Titel: Die Zeitmaschine
Autor: H.G. Wells
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 13.01.2017
Seiten: 192
Verlag: dtv
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3423145466
Originalpreis: 9,90€

Klappentext:
Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, durch die Zeit zu reisen? Angekommen im Jahr 802701 entdeckt unser Held zwischen den Ruinen Londons die Eloi, eine paradiesische Gemeinschaft. Als er in die Gegenwart zurückkehren will, ist seine Zeitmaschine verschwunden. Und die Anzeichen häufen sich, dass die Eloi nicht die einzigen Bewohner dieser wundersamen Welt sind.

Meinung:
Mit „Die Zeitmaschine“ hat H.G. Wells definitiv etwas ganz Neues erschaffen. Zeitreisen sind mittlerweile ein ziemlich beliebtes Motiv, das unter anderem auch in der „Outlander“-Reihe von Diana Gabaldon oder der „Edelstein“-Trilogie von Kerstin Gier aufgegriffen wird, aber auch immer wieder in Filmen verwendet wird. Wer würde nicht gerne mal in die Vergangenheit oder Zukunft reisen? H.G. Wells hat dabei den Grundstein für jede weitere Zeitreise in der Literatur und im Film gelegt. Bevor man sich in dieses Lesevergnügen stürzt, sollte man auch wissen, dass H.G. Wells mit diesem Roman auch einen der ersten Science-Fiction-Romane geschrieben hat.

Eine komplexe Handlung sollte man aber nicht erwarten. Simpel gesagt geht es um einen Zeitreisenden, der einer ausgewählten Menschengruppe seine Zeitmaschine erklärt und später in die Zeit reist, um dort in seinen Überzeugungen erschüttert zu werden. Es kristallisiert sich recht schnell heraus, dass der Autor hier keinen spannenden Unterhaltungsroman verfassen wollte, sondern eine messerscharfe Gesellschaftskritik. So baut der Roman keinerlei Spannung auf und verschenkt jegliches Potenzial dafür immer wieder. Dabei könnte die Geschichte durchaus spannend sein. Aber der Fokus der Geschichte liegt auf der Zukunftsvision, die der Autor hier skizziert. Die zwei Gesellschafsschichten Arm und Reich werden hier stark kritisiert und mögliche Folgen im Roman aufgezeigt. Das hat er aber eigentlich ziemlich gut gemacht und die Geschichte weiß gerade durch diese tiefgründige Ausarbeitung trotzdem zu unterhalten. Man muss sich nur auf alles zwischen der Handlung konzentrieren. Das Ende ist offen und lädt den Leser zum eigenen Fantasieren ein.

Die Charaktere in dieser Geschichte sind eigentlich alle eher Stereotype. Neben dem Zeitreisenden, der keinen Namen hat, haben auch seine Besucher, denen er seine Zeitmaschine erklärt, eher beschreibende Namen, so gibt es zum Beispiel den Psychologen. Das sorgt zwar dafür, dass überhaupt keine Nähe zu den Charakteren aufgebaut werden kann, ist aber überhaupt nicht problematisch, weil es nicht Wells‘ Intention ist. Außerdem gibt es in der Zukunft noch zwei interessante Gesellschaftsgruppen, die Eloi und die Morlocks. Diese beiden sollen die zukünftigen Menschenrassen darstellen, die sich durch die Aufsplittung in Arm und Reich ergeben haben. Dies ist ein sehr interessanter Aspekt der Geschichte, allerdings hat Wells sich in mancher Hinsicht keinen Gefallen getan. So wirken die beiden Rassen zwar durch Schwächen und Stärken glaubwürdig, aber weniger nachvollziehbar ist, dass diese beiden Menschenrassen so konzentriert an einem Ort wohnen. Und inwiefern dies auch den Rest der Welt betrifft, wird auch nicht klar. Wells hat hier also ein spannendes Gesellschaftskonstrukt geschaffen, da aber nur in Grundzügen ausgearbeitet wurde.

Wells hat einen interessanten Schreibstil und trotz des Zeitabstandes zur Veröffentlichung ist die Geschichte gut verständlich. Im Grunde ist die Geschichte sehr neutral geschrieben, obwohl es einen Ich-Erzähler gibt, der aber nicht näher charakterisiert wird. Stattdessen wird aber ohnehin hauptsächlich aus Sicht des Zeitreisenden erzählt, der den anderen seine Zeitreise darlegt. Für die Spannung ist das nicht unbedingt gut, da damit einiges vorweggenommen wird.

Der Roman ist trotzdem ein Muss, würde ich sagen. Er ist nicht so lang, dass man sich durchquälen muss und obwohl es keinen wirklichen Handlungsbogen gibt, ist er trotzdem interessant zu lesen und schafft eine faszinierende Zukunftsvision. Hätte ich das Buch gelesen, als es erschien, wäre ich wahrscheinlich absolut begeistert. Übrigens ein kleiner Fun Fact: Wirklich spannend – und schockierend – war eher H.G. Wells Biographie, die am Ende zu lesen ist und sich über Seiten erstreckt. Ihr würdet nicht glauben, was für ein Weiberheld der Gute war.

Fazit:
„Die Zeitmaschine“ würde es heutzutage vermutlich schwer haben, veröffentlicht zu werden, war damals aber absolut innovativ und stellt die Anfänge der Science-Fiction dar. Der Zeitreisende und die anderen Charaktere bleiben zwar bloße Schemen und die Handlung ist zu vernachlässigen, aber dafür ist die Zukunftsvision wirklich originell und gleichzeitig durchschaubar kritisch an der damaligen Gesellschaft ausgerichtet. Science-Fiction-Fans sollten auf jeden Fall mal einen Blick ins Buch werfen.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 2/5
Lesespaß: 4/5
Schreibstil: 4/5

Gesamt:

Mittwoch, 25. Juli 2018

[Rezension] Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde von Robert Louis Stevenson

Titel: Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Autor: Robert Louis Stevenson
Sprecher: Klaus Nägelen
Genre: Klassiker
Erscheinungsdatum: 23.09.2016
Hörzeit: 3 Stunden, 6 Minuten
Verlag: Der Audio Verlag
Format: Hörbuch
Fassung: Ungekürzt
ISBN-13: 978-3-86231-859-9
Originalpreis: 10,00€

Kurzbeschreibung:
In einem Experiment gelingt dem renommierten Londoner Wissenschaftler Dr. Jekyll das Unvorstellbar: Er spaltet das Gute der menschlichen Seele vom Bösen. Durch einen Trank kann er sich von nun an in den gewissenlosen Mr. Hyde verwandeln, der ihm in seiner Missachtung jeglicher gesellschaftlicher und moralischer Regeln eine nie gekannte Freiheit zeigt. Doch die Freude über den geglückten Versuch währt nicht lang. Immer öfter verschwimmt die Grenze zwischen dem vertrauenswürdigen und ehrenhaften Dr. Jekyll und seinem grausamen Alter Ego. Schließlich verwandelt sich Jekyll sogar unkontrolliert in aller Öffentlichkeit. Ist es schon zu spät, um das Experiment wieder rückgängig zu machen?

Mittwoch, 19. April 2017

[Rezension aus dem Archiv] Der Tod in Venedig von Thomas Mann

Titel: Der Tod in Venedig
Autor: Thomas Mann
Genre: Novelle, Klassiker
Erscheinungsdatum: 1913
Seiten: 148
Verlag: Fischer
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3596112661
Originalpreis: 6,95€ (aktuell 7,99€)

Inhalt: 
Das Buch handelt von Gustav von Aschenbach, der eine plötzlich Lust zum Reisen entwickelt, nachdem er einen Fremden am Bahnhof begegnet und sich sogleich nach Venedig begibt. Dort trifft er auf den zarten Jungen Tadzio, der ihn sofort seiner Schönheit wegen fasziniert. Nach kummervollen Berichten weiß Aschenbach nicht mehr, ob er in Venedig - um Tadzios Willen - verharren oder doch abreisen soll. 

So ähnlich klänge vermutlich eine Kurzbeschreibung zu dem Buche in der heutigen Zeit. Tatsächlich fällt es mir schwer den Inhalt in Worte zu fassen, dafür ist das eigentliche Geschehen zu knapp, zu schnell von vorne bis hinten abgehandelt.

Meinung: 
Ich finde Thomas Manns Schreibstil sehr ansprechend, er kann mit Worten umgehen und einem die nötige Stimmung vermitteln. Das ganze Buch über war diese drückende, schwüle Stimmung in der Luft, ja nahezu träge. Auf der anderen Seite ist das Buch auch sehr komplex und verleitet dazu, den Geist schweifen zu lassen. Man braucht Konzentration, um "Der Tod in Venedig" lesen zu können und alles zu verstehen, viel Konzentration und Durchhaltevermögen.

Ich kann nachvollziehen, warum dieses Buch ein Klassiker ist. Viel Geschwafel um nichts. Schöne Worte und komplizierte Themen. Vielleicht auch nicht ganz so kompliziert, aber Mann vermittelt einem, dass es nicht leicht zu verstehen wäre. Vermutlich könnte man das Buch in einer Kurzgeschichte abhandeln, in 50 Seiten, aber Thomas Mann schmückt das Buch ermüdend aus. Es passiert nicht viel. Wenn man es ganz genau nehmen will, passiert eigentlich gar nichts. Aschenbach verreist. Aschenbach folgt Tadzio. Das macht den Kern der Handlung aus. Es wird nur berichtet wie er die Familie verfolgt und von ominösen Gerüchten über eine Seuche erfährt, aber das auch erst gegen Ende. Allein bis Aschenbach in Venedig eintrifft, sind wir bereits im dritten Kapitel von gerade mal fünf. Es dauert also lang genug bis die eigentliche Handlung beginnt.

Hinzu kommt, dass Aschenbach dem Leser zwar nahe gebracht werden soll, aber die distanzierte Art des Erzählens hat es mir unmöglich gemacht, dem Protagonisten etwas abzugewinnen. Es fällt mir furchtbar schwer seinen Charakter wiederzugeben, da er so blass blieb. Natürlich könnte das auch bewusst von Thomas Mann eingesetzt worden sein. Aschenbach blass erscheinen lassen, damit es jeder beliebige sein könnte. Mir gefällt es dennoch nicht.

Ich mag zwar die tiefsinnige Art des Buches, aber es wäre mir lieber gewesen, es würde dabei nicht so ein stumpfsinniges Thema behandelt. Natürlich war Homosexualität damals skandalöser Natur, ist es ja heute noch zum Teil, aber das ist es nicht, was mich stört. Mich stört diese Art wie die Geschichte erzählt wird. So distanziert und undeutlich. Man hat am Ende das Gefühl immer noch nichts zu wissen. Und Aschenbach hätte ich so manches Mal gerne ein paar Worte zu sagen gehabt.

Dennoch finde ich zumindest die Verbindung zwischen Tadzio und Aschenbach sehr gut umgesetzt. Die zarten Knospen der Verliebtheit spürt man förmlich. Aschenbach wirkt absolut glaubwürdig, wenn auch furchtbar naiv. Man würde erwarten, dass ein junges Mädchen sich so verhält, hier ist es aber ein alter Mann, der sich scheinbar nach Neuem sehnt, nach Schönem. Und diese Schönheit kann Tadzio ihm zeigen. Die beiden reden nie auch nur ein Wort miteinander, aber dennoch fühlt Aschenbach sich so zu ihm hingezogen - vermutlich erging es schon jedem einmal so mit einem heimlichen Schwarm.

Ich bin mir einfach nicht sicher, ob ich das Buch gut finden soll oder nicht. Es bringt genau das rüber, was Thomas Mann vermutlich bezwecken wollte. Aber die ganzen Seiten, in denen nur irgendwelcher Nonsens besprochen wird, haben mich ermüdet. Ich musste mich zwingen das Buch zu beenden. Wenigstens war das Ende knapp und einfach, wenn auch viel offen lassend.

Fazit: 
Das Buch ist kein leichter Stoff und man kann es garantiert nicht als Unterhaltungslektüre lesen, aber es macht einen gewissen Reiz aus. Es einmal gelesen zu haben ist auf jeden Fall nicht verkehrt, aber auch kein Muss.

Gesamt: 3/5

Inhalt: 2/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 2/5
Schreibstil: 3/5

Geschrieben am: 14.08.14