Freitag, 28. Oktober 2016

[Rezension] Der Weg des Inquisitors von Frank Rehfeld

Titel: Der Weg des Inquisitors
Autor: Frank Rehfeld
Genre: Heroische Fantasy
Erscheinungsdatum: 17.10.2016
Seiten: 480
Verlag: blanvalet
Format: Paperback
ISBN-13: 978-3-7341-6056-1
Originalpreis: 14,99€

Kurzbeschreibung: 
Der junge Waise Torin verfügt über alles, was er als Inquisitor der Kirche der Göttlichen Familie benötigt: einen festen Glauben, mächtige Förderer und die unumstößliche Gewissheit, dass die Kirche immer im Recht ist. Er weiß auch, wie wichtig seine Arbeit ist, denn das Böse, das in der großen Wüste lauert, verdirbt immer mehr Menschen. Die Inquisition ist das einzige Bollwerk der Menschen gegen diese namenlosen Schrecken. Doch dann erkennt Torin, dass nicht alle Verurteilten wirklich Hexen sind, sondern oft unschuldig – aber auch, dass das wahre Böse viel mächtiger ist, als irgendjemand bislang ahnt. 

Meinung: 
Das Cover des Romans ist sehr zurückhaltend und eine gute Mischung aus phantastischem und historischem, auch wenn es nicht sehr aussagekräftig ist. Schön anzusehen und vor allem praktisch ist die Karte, die den Kontinent Antasia zeigt, auf dem die Geschichte spielt. Die Kurzbeschreibung auf der Rückseite des Buches ist zwar verheißungsvoll, aber in Hinblick auf den Inhalt des Romans ungünstig gewählt, da man das Gefühl bekommt als wäre Torin bereits Inquisitor. Die Geschehnisse, die angerissen werden, spielen sich allerdings erst auf den letzten hundert Seiten des Romans ab.

Das macht „Der Weg des Inquisitors“ dennoch zu keinem schlechten Roman, auch wenn man sich lange fragt, wann die Ereignisse der Kurzbeschreibung zum Tragen kommen. In der Geschichte verfolgt man den Werdegang von Torin, einem Klosterjungen, der um jeden Preis Inquisitor werden will. Der Anfang des Romans gestaltet sich dabei sehr brutal, da hier einige Foltermethoden genau beschrieben werden. Dies beschränkt sich aber vor allem auf den Beginn und kommt später nur noch ab und an auf. Die Geschichte wurde in zwei Bücher aufgeteilt, wobei der erste Teil dabei im Gesamten mehr Action aufweist, auch wenn beide in der Hinsicht nicht viel zu bieten haben. Stattdessen verfolgt man Torins Leben und die Ausbildung der Inquisitoren. Auch werden diese immer wieder mit Hexen, so genannten Visha, konfrontiert. Generell war es eine sehr schöne, langsam erzählte Geschichte und Torin war darin wie ein alter Bekannter, dem man über die Schulter schaut. Das einzige wirkliche Manko ist allerdings der Epilog. Ich finde offene Enden an sich nicht schlimm, aber in diesem Fall leider etwas zu viel des Guten, da man bereits sehr wenig Informationen über die böse Macht, die in Antasia herrscht, erfährt. Abgesehen mal davon schreit das Ende auch fast nach einer Fortsetzung, da so viele Fragen unbeantwortet bleiben. Gleichzeitig ist die Idee aber großartig, so wie auch die Umsetzung, auch wenn es ab und an mal ein paar langatmige Passagen gab.

Die Charaktere in diesem Buch wirken sehr glaubwürdig und aus dem Leben gegriffen, obwohl sich Rehfeld hier auch dezent einiger Klischees und Stereotypen bedient. Obwohl viele Figuren ihre eigenen Motivationen haben und dadurch im Konflikt mit Torin stehen, wirken sie trotzdem sympathisch. Natürlich gibt es aber auch die typischen Rivalen des Protagonisten, die zwar nicht so detailliert gearbeitet wirkten, aber dennoch ihre Rolle gut ausfüllten. Das Spannende war vor allem, dass der Leser nicht immer mit Torin übereinstimmt. Manchmal hat er seltsame Phasen und Gedankengänge, aber dennoch versteht man ihn und kann sein Handeln und Denken nachvollziehen. Auch die anderen wichtigeren Charaktere wie Naron, Berryl und Shirina haben Ecken und Kanten und trotz der klischeehaften Konstellation für sich einzigartig.

Schwierig finde ich vor allem immer einen Schreibstil zu bewerten, an dem eigentlich nichts auffällt. Und das ist hier gar nicht einmal negativ gemeint. Tatsächlich fügt sich Rehfelds Stil nämlich so gut in die Geschichte ein, dass mir nie seltsame Formulierungen oder Floskeln aufgefallen wären. Stattdessen passt die ganze Wortwahl hervorragend zum Inhalt. Auch die Namen fand ich hier ganz interessant, da sie teilweise an bekannte Begriffe oder Namen angelehnt sind, aber dennoch eigenständig genug sind. Interessant wäre aber zu erfahren, wie man „Shai-Tilith“ ausspricht.

Dies ist ein klassischer Fall von unscheinbarem Äußeren, das dafür Gold in sich birgt. Leider ist hier aber auch nicht alles Gold, was glänzt – vor allem die Auflösung der Geschichte, die quasi nicht vorhanden ist und zum Nachdenken einlädt. Vor allem ab der Hälfte des Romans hat mir das Lesen wirklich Spaß gemacht und die letzten hundert Seiten haben sich flott runtergelesen. Am Ende bleiben viele Fragen offen und die Hoffnung auf eine Fortsetzung, die diese befriedigen könnte. Als Einzelband hinterlässt das Ende aber einen bitteren Nachgeschmack, da mag der restliche Roman noch so fabelhaft munden.

Fazit: 
„Der Weg des Inquisitors“ ist ein interessanter Roman, der auf spannende Art von einer Inquisitoren-Ausbildung zu erzählen weiß. Dabei freundet man sich auch schnell mit den Charakteren an. Nichtsdestotrotz bleibt am Ende einiges im Unklaren.

Gesamt: 4/5

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Schreibstil: 4/5

Kommentare:

  1. Die Geschichte von Torin, dem Inquisitor, ist als Zweiteiler geplant, es wird also noch einen weiteren Band geben. Sonst wäre das Ende wirklich viel zu offen...

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    1. Vielen Dank für die Auskunft! Dann freue ich mich schon sehr auf die Fortsetzung.

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  2. Gern geschehen. Ich fand es auch etwas ungünstig, dass der Verlag nirgendwo einen Hinweis darauf gebracht hat, dass es sich um einen Mehrteiler handelt. Bei Amazon steht jetzt immerhin angegeben, dass es sich um Band 1 handelt.

    Und es freut mich natürlich, dass dir der Roman gut gefallen hat :-)

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    1. Ja, beim Verlag gibt es jetzt auch endlich einen Reiter für "Reihen". Wie sagt man so schön? Besser spät als nie.

      Gibt es denn schon einen voraussichtlichen Veröffentlichungstermin für den 2. Band oder ist das noch inoffiziell?

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