Samstag, 2. Juli 2016

[Rezension] Tödliche Wahrheit von Veronica Roth

Titel: Tödliche Wahrheit
Band: 2
Reihe: Die Bestimmung
Autor: Veronica Roth
Genre: Dystopie
Erscheinungsdatum: 10.12.2012
Seiten: 512
Verlag: cbt
Format: Hardcover
ISBN-13: 978-3-570-16156-2
Originalpreis: 17,99€

Kurzbeschreibung: 
Tris und Four haben sich endlich ihre Liebe gestanden. Doch der Aufstand hat begonnen und es herrscht Krieg zwischen den Fraktionen. Als die Unbestimmten angegriffen werden, ist es Tris‘ Aufgabe, sie zu retten. Ihre Entscheidung bedeutet jedoch, Four zu verlassen und sich mit dem Feind zu verbünden…

Meinung: 
Der zweite Band der Reihe kommt rein optisch wie sein Vorgänger daher. Wieder wäre eine Karte der Stadt schön gewesen, aber natürlich kein Muss. Allerdings begeben sich die Charaktere hier öfter vom einen Ort zum anderen, weswegen man tatsächlich manchmal den Überblickt verliert, wo was geographisch betrachtet sein könnte. Die Kurzbeschreibung finde ich sowohl treffend als auch etwas klischeehaft. Die Betonung von Tris‘ und Fours Beziehung hätte es nicht gebraucht, zumal ich das keinen besonders wichtigen Plotpunkt im ersten Band fand, aber dafür klingt der Rest vielversprechend.

Die Handlung setzt hier direkt nach dem ersten Band ein. Leider konnte mich dieser Teil aber nicht ganz so sehr mitreißen wie der erste. Der Plot ist immer noch gefüllt von Action, aber dennoch wird hier mehr geredet als gehandelt. Tris und Four sind nicht mehr wohlbehütet innerhalb ihrer Fraktion, sondern Ausgestoßene. Und sie müssen sich entscheiden wie es jetzt weitergehen soll, denn Janine ist noch lange nicht fertig mit ihnen. Die Unbestimmten stellen immer noch eine Bedrohung für sie dar. Und man lernt hier viel mehr über die anderen Fraktionen als bisher. Ich würde sagen in diesem Buch geht es vielmehr um eine Art innere Handlung – oder treffender: Entwicklung. Tris muss Erlebnisse verarbeiten, an denen sie hart zu knabbern hat. Sie muss heikle Entscheidungen treffen. Man könnte wahrscheinlich sagen, dass dies das Hauptthema des Buches ist. Dies und ihre Beziehung zu Four, die von den Entscheidungen betroffen ist. Das muss ich übrigens sehr positiv anmerken: Anders als in vielen Büchern ist ihre Liebe nicht wie aus dem Bilderbuch, sondern hat Schwächen und brüchige Stellen, an denen sie arbeiten müssen. Auch interessant finde ich, dass Tris nicht „die“ Person ist, die alle suchen oder die wichtig für andere ist, sondern das sich das zwischen ihr und Tobias in einem ausgewogenen Maß aufteilt.

Und damit wären wir dann auch schon bei den Charakteren selbst. Man merkt hier durchaus eine Entwicklung, bei nahezu jedem. Tris hat für mich eine nachvollziehbare Charakterentwicklung durchgemacht, auch wenn ich manchmal etwas genervt davon war, dass sie nun eine solche Angst vor Waffen hat. Aber zumindest war es plausibel umgesetzt. Generell handelt sie aber sehr eigensinnig und scheint niemandem mehr zu vertrauen. Four war für mich an manchen Stellen zu sehr Schwächling…zu sehr…Tobias. Ich mag den starken Four eigentlich lieber als den schwachen Tobias, aber auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass es trotzdem logisch ist und keine plötzliche Veränderung seines Charakters, sondern einfach zwei Puzzleteile, die sich zusammensetzen. Die anderen haben sich ansonsten auch alle nachvollziehbar verhalten und ebenso wie Tris und Four verschiedene Ereignisse verarbeitet und sich dementsprechend in verschiedene Richtungen entwickelt, selbst Peter, würde ich sagen. Noch immer würde ich sagen, dass jeder Charakter so lebensecht wirkt, als könnte er mir jeden Moment auf der Straße begegnen.

Auch der zweite Teil las sich trotz einiger Schwächen sehr zügig. Die Kapitel haben einfach eine perfekte Länge, um nicht zu langatmig zu werden, sondern stattdessen durch ihre Kürze zum Weiterlesen zu bewegen – weiter als man vielleicht bei einem langen Kapitel gelesen hätte. Der Schreibstil ist einfach sehr handlungsgetrieben und erinnert ein bisschen an das eigene Erleben, wenn man durchs Leben läuft.

Für mich war der zweite Band eher wie ein Übergangsbuch. Das habe ich schon öfter bei dreiteiligen Büchern oder Filmen erlebt. Der erste Band ist der Hammer, der zweite lässt nach und der dritte ist dann wieder richtig gut – oder noch schlechter. Aber der zweite Band schafft es selten an den ersten heran und auch in dieser Reihe ist es leider so. Ich war kein großer Fan des Aufdröselns der Konflikte. Irgendwie endet alles nur im Chaos und man hat nicht so ganz das Gefühl vom Fleck zu kommen…bis zum Ende hin. Vielleicht liegt es daran, dass es schwer ist mit einer der verschiedenen Parteien zu sympathisieren, weil alles irgendwie nicht ganz richtig erscheint, was aber gleichzeitig umso authentischer ist, denn es gibt nicht nur Gut und Böse, sondern vor allem Graustufen und die werden hier sehr gut herausgearbeitet.

Fazit: 
Die Fortsetzung der Trilogie lässt im Vergleich zum ersten Band durchaus nach kann aber trotzdem überzeugen. Es gibt keinen Kitsch, sondern wieder knallharte Action, auf die Tris reagieren muss und gut thematisierte Beziehungsprobleme, sowohl auf freundschaftlicher Ebene als auch in der Liebe.

Gesamt: 4/5

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Gestaltung: 4/5
Schreibstil: 5/5
Preis/Leistung: 4/5

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