Freitag, 7. April 2017

[Rezension] Ich fürchte mich nicht von Tahereh Mafi

Titel: Ich fürchte mich nicht
Reihe: Shatter Me
Band: 1
Autor: Tahereh Mafi
Genre: Dystopie, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 23.07.2012
Seiten: 320
Verlag: Goldmann
Format: Hardcover
ISBN-13: 978-3-442-31301-3
Originalpreis: 16,99€

Kurzbeschreibung: 
»"Du darfst mich nicht anfassen", flüstere ich. "Bitte fass mich an", möchte ich in Wahrheit sagen. Aber wenn man mich anfasst, geschieht Seltsames. Schlimmes.« 

Ihr Leben lang war Juliette einsam, eine Ausgestoßene – ein Monster. Ihre Berührung ist tödlich, man fürchtet sie, hat sie weggesperrt. Bis die Machthaber einer fast zerstörten Welt sich ihrer als Waffe bedienen möchten. Doch Juliette beschließt zu kämpfen – gegen die, die sie gefangen halten, gegen sich selbst, das Dunkel in ihr. An ihrer Seite ein Mann, zu dem sie sich unaufhaltsam hingezogen fühlt. Ihn zu berühren ist ihr sehnlichster Wunsch – und ihre größte Furcht ... 

Meinung: 
Dieser Dystopieauftakt (und seine Fortsetzungen) gehört zu den Romanen, die man angeblich gelesen haben sollte – jedenfalls, wenn man nach der Jugendversion der „100 Bücher, die man gelesen haben sollte“-Liste geht. Das Cover hat mich persönlich eigentlich so gar nicht angesprochen und ich kann auch keinen direkten Zusammenhang zum Buch erkennen. Der Klappentext klingt interessant und lässt auf eine neue, originelle Idee hoffen. Für meinen Geschmack hätten sie die Andeutung auf die Liebesgeschichte rauslassen können. Die nimmt der Beschreibung den nötigen ernst.

Im Roman geht es um ein Mädchen, das weggesperrt wurde, weil ihre Berührungen für andere Menschen schlimme Folgen haben. Doch dann soll sie diese Kräfte einsetzen. Generell war die Handlung nicht sonderlich aufregend oder dramatisch. Den größten Teil des Romans plätschert die Handlung vor sich hin. Es passiert zwar einiges, aber irgendwie konnte es mich nicht richtig berühren. Ich hatte nie das Gefühl, dass Juliette oder ihre Freunde in Gefahr sind. Die Idee an sich ist trotzdem sehr interessant, aber die Verknüpfung der Erdprobleme mit diesen Fähigkeiten ala X-Men ist einfach ein bisschen zu viel. Nur das eine oder andere hätte völlig ausgereicht. So aber wirkt es etwas übertrieben. Im Buch findet man vor allem gegen Ende viel Action, von Fluchtversuchen bis hin zu Angriffen. Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte, die allerdings offensichtlicher nicht hätte sein können und auf ironische Art gefördert wird. Hinzu kommt noch, dass die Charaktere sich wirklich keine Zeit lassen bei den Annäherungsversuchen.

Die Charaktere sind im Großen und Ganzen eigentlich sehr interessant, aber irgendwie nicht richtig definiert. So richtig auffällig sind nur vier Personen, der Rest geht in der Masse unter. Juliette ist die Protagonistin und Ich-Erzählerin der Geschichte. Zur ihr fand ich nur sehr langsam einen Zugang, wenn man das überhaupt sagen kann. So richtig konnte ich sie nicht greifen. Bis auf einen Zahlentick und ihre Selbstlosigkeit gibt es nichts, was sie ausmacht. Die anderen Charaktere mochte ich etwas mehr – bis auf Adam. Mit dem konnte ich leider überhaupt nichts anfangen und obwohl er nicht selten auftaucht, hat auch er nicht wirklich auffällige Merkmale.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr gewöhnungsbedürftig. Zum einen benutzt sie einen sehr abgehackten Stil. Generell mag ich sowas eigentlich, weil es durchaus auch Tempo erzeugen kann, aber hier verfehlt es ein bisschen die Wirkung und wirkt manchmal etwas komisch. Das Durchgestrichene ist sehr interessant und mal etwas Außergewöhnliches. Allerdings muss man sich auch daran erstmal gewöhnen und es im Zusammenhang sehen. An manchen Stellen habe ich nämlich nicht verstanden, warum es nicht rausgelassen oder normal geschrieben wurde, gerade bei den Wortwiederholungen. Es gab auch einige Stellen, bei denen Aufzählungen ohne Kommata erfolgten, die mich ebenfalls etwas irritiert haben.

Insgesamt hat mich der Roman nicht wirklich vom Hocker gehauen. Er ist ganz nett zu lesen, aber ist für eine Dystopie fast schon zu ruhig und vorhersehbar. Vor allem die Liebesgeschichte wurde für meinen Geschmack viel zu stark in den Vordergrund gedrängt, fühlte sich dabei aber nicht einmal ansatzweise authentisch an. Vielleicht liegt es daran, dass das Buch so kurz ist und die Geschehnisse daher nicht so detailliert schildern kann, aber mir hat manchmal einfach der Zusammenhang gefehlt. Juliette wird quasi fast schon herumgeschubst und zeigt nicht wirklich viel Eigenverantwortung. Das ist sehr schade, denn der Roman hätte Potenzial gehabt.

Fazit: 
„Ich fürchte mich nicht“ ist eine Jugenddystopie, bei der vor allem die Liebe im Vordergrund zu stehen scheint. Zwar gibt es auch einige actiongeladene Szenen, aber diese verblassen dahinter. Wer ausgefeilte Charaktere und eine originelle oder verstrickte Handlung mag, sollte die Finger hiervon lassen.

Gesamt: 3/5

Inhalt: 3/5
Charaktere: 2/5
Lesespaß: 3/5
Schreibstil: 3/5

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