Sonntag, 5. März 2017

[Rezension] Die Clans von New York von Chris Weitz

Titel: Die Clans von New York
Reihe: Young World
Band: 1
Autor: Chris Weitz
Genre: Dystopie 
Erscheinungsdatum: 22.09.2015
Seiten: 384
Verlag: dtv Junior
Format: Hardcover
ISBN-13: 978-3-423-76121-5
Originalpreis: 18,95€

Kurzbeschreibung: 
Es gab ein Leben davor. Dann kam die Seuche. Übrig blieben nur die Teenager. Jetzt, ein Jahr danach, werden die Vorräte knapp und die Überlebenden organisieren sich in Clans. Jefferson, Führer wider Willen des Washington-Square-Clans, und Donna, in die er heimlich verliebt ist, haben sich ein halbwegs geordnetes Leben in all dem Chaos aufgebaut. Doch als Brainbox, das Genie ihres Clans, eine Spur entdeckt, die zur Heilung der Krankheit führen könnte, machen sich fünf von ihnen auf in die gefährliche Welt jenseits ihres Rückzugsortes – Schießereien mit feindlichen Gangs, Flucht vor Sekten und Milizen, Überleben in den Gefahren der U-Bahn-Schächte inklusive. Denn trotz aller Aussichtslosigkeit glaubt Jeff an die Rettung der Menschheit. 

Meinung: 
Das Cover des Romans hat mich schon beim ersten Anblick für sich eingenommen. Auch der Klappentext klingt vielversprechend und nach einer neuen Idee mit einer interessanten Prämisse. Als Drehbuchautor und Regisseur ist Chris Weitz ja bereits bekannt. Ob sein Talent sich auch auf Romane ausweitet, stellt er mit diesem Debütroman unter Beweis.

Zur Handlung kann man vor allem sagen, dass sie rasant ist. Der Leser lernt kurz die Charaktere und ihre Welt kennen, um dann direkt von einer Actionszene in die nächste bugsiert zu werden. Man hat das Gefühl, die Charaktere bekommen gar keine Verschnaufpause. Dennoch ist die Handlung nicht sonderlich spektakulär und man hat immer wieder das Gefühl, dass die Reise von Jefferson, Donna und ihren Freunden sinnlos ist. Das liegt vor allem daran, dass die Hintergründe und der Grund für ihre Reise nur stückchenweise erklärt wird, so dass man nie das Gefühl hat, genug zu wissen. Gleichzeitig hat man auch das Gefühl, dass die Charaktere sich nicht ganz einig sind, warum sie das alles überhaupt tun. Die eine will eigentlich gar nicht, der andere schon, aber hat keine richtige Motivation, dann gibt es noch ein paar Mitläufer und den einen einzigen, der zumindest halbwegs hinter dem Ziel steht, die Krankheit zu besiegen. Das hat leider sehr viel von der eigentlich soliden Handlung zerstört, deren Logik darunter leiden musste. An und für sich war aber gerade die Tatsache, dass ständig etwas passiert, fördernd für die Spannung. Sehr lange hat man aber das Gefühl, dass die Charaktere jederzeit wieder umkehren könnten, ohne dass es irgendwelche Konsequenzen hätte. Dadurch bewegt das Buch einfach nicht richtig. Auch das Ende ist überwiegend vorhersehbar, was schon fast enttäuschend war. Zumindest der Cliffhanger konnte dann aber doch überraschen.

Der Roman hätte einfach Charaktere gebraucht, die willensstark und zielfokussiert sind. Die wissen, was sie wollen und nicht einfach mal ins Blaue laufen. Die Perspektivträger sind Jefferson und Donna. Jefferson ist ein recht idealistischer Junge, der das größere Wohl im Auge hat und auch ein bisschen an sich selbst zweifelt. Daher kommt es ihm sehr entgegen, dass er seiner Verantwortung als Anführer eine Zeit lang entfliehen kann. Donna wiederum ist das alles eigentlich egal. Sie glaubt nicht an ein Heilmittel und geht nur mit, weil sie auf Jefferson aufpassen will. Dadurch bekommt der Leser die recht unterschiedlichen Meinungen der Protagonisten gut mit und hat zwei Blickwinkel, um die Handlung zu betrachten. Generell haben alle Charaktere eine halbwegs ausgearbeitete Geschichte und wirken dadurch nicht flach, werden aber manchmal trotzdem auf einige Merkmale reduziert.

Der Schreibstil des Autors ist in diesem Roman sehr umgangssprachlich und jugendlich. Dabei wird je nach Perspektive eine andere Sprache genutzt. Jefferson spricht in normalen Sätzen, auch wenn er sich gerne mal etwas umgangssprachlicher ausdrückt. Donna dagegen war für mich anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, da ihre Dialoge sich oft wie bei einem Theaterstück lesen und sich zudem wirklich sehr flapsig ausdrückt, alles und jedem einen Spitznamen aufdrückt und generell dazu neigt sehr viele jugendliche Ausdrücke einzustreuen. Die Unterscheidung der beiden Charaktere ist Weitz damit gut gelungen.

Letztendlich habe ich mir von diesem Roman mehr erhofft. Die Themen sind durchaus interessant und es wert, näher betrachtet zu werden. Zum Beispiel werden Rassismus und Homosexualität besprochen, aber das alles nützt natürlich nichts, wenn die Charaktere versagen, weil sie nicht richtig überzeugen können und damit die ganze Handlung abwerten. Es macht einfach keinen Spaß, ein Buch zu lesen, bei dem man nicht so recht von der Stelle kommt, obwohl ja eigentlich so viel passiert. Zeitweilig hatte ich mir echt gedacht, warum die Gruppe um Jefferson und Donna nicht einfach zuhause geblieben ist.

Fazit: 
„Die Clans von New York“ besitzt einen zügigen Plot, der überraschende Wendungen bietet und mit seinen vielfältigen Thematiken durchaus punkten kann, enttäuscht allerdings mit Charakteren, die nicht dahinterstehen und die Suche nach einem Heilmittel mehr zu einem "Roadtrip" verkommen lassen.

Gesamt: 3/5

Inhalt: 4/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 3/5
Schreibstil: 4/5

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