Dienstag, 5. Juli 2016

[Rezension] Eine Schildkröte macht noch keine Liebe von Emma Wagner

Titel: Eine Schildkröte macht noch keine Liebe
Autor: Emma Wagner
Genre: Liebesroman
Erscheinungsdatum: 01.07.2016
Seiten: 348
Verlag: Selfpublisher
Format: eBook
ASIN: B01HT6KPFC
Originalpreis: € 3,99€

Kurzbeschreibung:
Vincent nimmt das Leben leicht und versucht Arbeit und Ärger aus dem Weg zu gehen. Als jedoch die geheimnisvolle Lilly in sein Leben tritt, hat er plötzlich von beidem mehr als genug am Hals. Schnellstmöglich will er die junge Frau mit den smaragdgrünen Augen wieder loswerden, aber sie erweist sich als ebenso sonderbar wie hartnäckig. 

 Lillys Leben ist von Grund auf anders – in vielerlei Hinsicht. 
 Sie merkt recht bald, dass Vincent und sie nicht unterschiedlicher sein könnten und er sie mit seiner ganzen Art auf die Palme bringt. Doch man kann schließlich nicht besonders wählerisch sein, wenn man auf der Flucht ist. Und dann sieht der Kerl auch noch so unverschämt gut aus... 

 Mit Gefühlen jedenfalls hat keiner von beiden gerechnet. 
 Auch nicht mit Vincents Bruder, der eigene Pläne verfolgt. 
 Aber kann ein einziges Wochenende alles verändern? 
 Und wo kommt eigentlich die Schildkröte her? 

Meinung:
Mich hat dieses Buch vor allem wegen dem Cover angezogen. Es sieht einfach wunderschön aus, auch wenn man leider zugeben muss, dass man als eBook natürlich nicht richtig damit angeben kann. Dies ist meine erste eBook-Erfahrung, daher kann ich keine richtigen Vergleiche ziehen und nicht beurteilen, was üblich bei eBooks ist, aber der Satzspiegel in diesem Roman war für mich sehr gewöhnungsbedürftig, da es nur einen schmalen Rand gab. Da ich aber nicht weiß, ob das so normal ist oder nicht, ist es keine Kritik am Buch selbst. Ansonsten fande ich die liebevollen Zeichnungen am Anfang der Kapitel sehr schön. Weniger gefallen hat mir aber, dass im hinteren Teil des eBooks viele verschiedene Leseproben zu anderen Büchern der Autorin waren. Es ist ein nettes Extra, aber ich finde, eine Leseprobe reicht aus. Die Kurzbeschreibung trifft den Nagel jedenfalls auf den Kopf und gibt einen guten Eindruck davon, was einen erwartet.

Die Thematik des Romans an sich hat mir sehr gefallen. Zwei vollkommen unterschiedliche Menschen treffen aufeinander und beeinflussen sich gegenseitig, helfen einander sich weiterzuentwickeln. Generell hat mich dieses Buch aber dennoch weniger begeistern können. Ich hatte große Probleme damit in das Buch einzusteigen. Lilly ist auf der Flucht, Vincent nimmt sie auf. Aber wie die ganzen Umstände drum herum waren für mich kaum nachvollziehbar. Ständig werfen sie sich einander an den Kopf wie verrückt der andere doch sei. Bis auf die Anziehungskraft, die sie wohl aufeinander ausüben, ist da eigentlich gar nichts, was erklären würde, warum Vincent sie aufnimmt – bis sein Bruder ins Spiel kommt. Und ab dem Moment war es für mich ein klischeehaftes Hin und Her zwischen den beiden. Irgendwie konnte mich ihre Liebe nie richtig überzeugen. Sie war einfach plötzlich da und der Umgang der beiden damit war unreif. Obwohl die beiden keine Teenager mehr sind, hatte ich das Gefühl, dass dieses Buch ein besserer Jugendroman geworden wäre. An manchen Stellen war es lustig, das gebe ich zu, aber die konnten nicht aufwiegen wie enttäuscht ich letztendlich war. Wie gesagt: Die Thematik ist wunderschön und gewisse Handlungsstränge mochte ich auch wirklich gern, aber das Buch konnte mich kein bisschen überzeugen. Es war auch ein bisschen als würden alle Handlungsstränge darin leicht angeritzt, aber der Knackpunkt dann übersprungen und einfach nur das Happy End präsentiert. Das Ende war auch nicht unbedingt zufriedenstellend. Es gab eine Art Happy End, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass Lilly wirklich Fortschritte gemacht hat und sich das Anfangsproblem gelöst hat. Jetzt versucht sie es einfach nur noch zu ignorieren statt wegzulaufen.

Die Charaktere sind für mich ein zweischneidiges Schwert. Lilly und Vincent fand ich beide unglaubwürdig. Sie scheinen irgendwie beide so vieles zu können. Lillys plötzlicher Wissensdurst, was Pflanzen betrifft, war für mich zum Beispiel sehr störend. Ständig benutzt sie ab dem Moment lateinische Pflanzennamen und ist wie besessen davon. Von der einen Leidenschaft – Geige spielen – in die nächste? Vincent war für mich wiederum deutlich greifbarer, aber sobald er mit Lilly zu tun hatte, verlor sich das wieder. Und die Liebe zwischen den beiden hat mich nie erreicht. Die anderen Charaktere fand ich…okay. Manche waren mir wie die beiden Protagonisten zu realitätsverzerrt. Da wird mit Klischees quasi jongliert. Aber einige wenige mochte ich trotzdem.

An und für sich hat Emma Wagner einen interessanten Schreibstil. Sie benutzt viele Metaphern und Vergleiche, die ich bezaubernd fand. Leider vermischt sie aber sehr oft derbe Umgangssprache mit hochgestochener Sprache. Im Dialog wäre das kein Problem, wenn sie die Unterschiede zwischen Personen betonen wollen würde, aber das passiert aus beiden Ich-Perspektiven. Dialog gibt es auch extrem viel. Mehr als eigentliche Handlung. Zumindest fiel es mir nicht schwer die beiden Perspektiven auseinander zu halten.

Es hat sehr lange gebraucht bis ich mich auf das Buch richtig einlassen konnte. Und dennoch hat es mich nie mitreißen können. Vielleicht bin ich einfach eine zu anspruchsvolle Leserin für Liebesromane, aber für mich persönlich gab es weder einen richtigen Plot, der dann auch logisch durchgezogen wurde – wie gesagt, das Ende war für mich eher gespieltes Happy End als echt. Genauso waren die Charaktere mir zu jugendlich für ihr Alter und das hat leider die ganze Geschichte beeinflusst. Der Schreibstil hat nur noch sein Übriges dazu beigetragen, dass ich nicht richtig ins Geschehen eintauchen konnte.

Fazit:
Mir persönlich hat das Buch nicht gefallen und es wäre auch kein Verlust für mich gewesen es gar nicht erst zu lesen. Deswegen empfehle ich es auch nicht weiter. Vielleicht spricht es Liebesromanleser an, die nicht zu viel Tiefsinn erwarten. Von anderen Seiten habe ich viele gute Rezensionen dazu gesehen, aber wer mehr Tiefgang von dem Buch erwartet, wird meiner Meinung nach eher enttäuscht.

Gesamt: 2/5

Inhalt: 2/5
Charaktere: 2/5
Lesespaß: 2/5
Gestaltung: 4/5
Schreibstil: 3/5
Preis/Leistung: 2/5

1 Kommentar:

  1. Huhu! :)

    Vielen Dank für deine ehrliche Rezension!
    Ich kann deine Kritikpunkte gut verstehen und werde das Buch nun wohl doch nicht auf die Wunschliste setzen. Ich lese total gerne Liebesromane, aber wenn der nötige Tiefgang fehlt, dann plätschert die Story nur so dahin und ist wohl nix für mich.

    Liebste Grüße
    Nina ♥♥♥

    AntwortenLöschen