Mittwoch, 27. Juli 2016

[Rezension aus dem Archiv] Ein Winter, 1000 Küsse von Henriette Wich

Titel: Ein Winter, 1000 Küsse
Autor: Henriette Wich
Genre: Jugendbuch, Romantik
Erscheinungsdatum: November 2010
Seiten: 208
Verlag: Carlsen
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3551359735
Preis: 8,95€

Kurzbeschreibung:
Mit dem ersten Schnee liegt plötzlich überall die Liebe in der Luft - und sorgt für jede Menge Gefühlschaos: Auf der Party, auf der Marie den Traumprinzen sucht, Olaf fremdknutscht und Fiona mit einer Lüge Leopold erobert. Bei den Proben zum Schultheater, wo Giselle nur Augen fü€r den Regisseur hat, Mattis und Steffi trotz Trennung ein Paar spielen und Fiona Farbe bekennt. Auf dem Weihnachtsmarkt, wo ausgerechnet Ulli Maries Wunsch erfü€llt. Und und und ... 

Inhalt: 
Es geht um 16 Teenager und die Liebe, wobei aus 12 Perspektiven geschrieben wird. Jeder von ihnen hat in dem Buch mit eigenen Problemen zu kämpfen. So ziemlich die ganze Palette an Problemmöglichkeiten, die ein Liebespaar haben kann, wird durchgespielt. Erster Satz: Mattis hörte den Bus lange, bevor er ihn sehen konnte, das tiefe, wummernde Geräusch des Motors, der mit der Steigung der Landstraße kämpfte.

Meinung: 
Das Cover finde ich überhaupt nicht ansprechend. Darauf sind Memoriekarten abgebildet, auf deren Rückseite Schneebälle sind. Das ist an und für sich eine schöne Idee, da Memoriekarten immer Paare bilden und in diesem Buch geht es ja um ganz viel Liebe. Auch die wechselnde Titelschrift und die schön ausführliche Kurzbeschreibung sind toll. Auf der vorderen Aufklappseite steht eine kleine „Leseprobe“ und auf der hinteren sind Infos zur Autorin. Das ist alles okay und auch Schrift und Größe sind schön gewählt, aber richtig schlimm sind die Gesichter auf dem Cover. Erstens: Teilweise sehen die Leute einfach zu albern aus. Zweitens: Man kann nicht einmal jeden einem Charakter zuordnen. Außerdem sind auch nur 10 von den 16 Teenagern abgebildet. Ansonsten gefällt mir alles an dem Cover, aber die Gesichter schrecken ziemlich ab.

Die Handlung war ganz schön und eigentlich doch spannend. Natürlich sollte man bei einem Jugendbuch, in dem eigentlich Alltagsgeschichten behandelt werden, keine zu hohen Erwartungen haben. So ein Buch habe ich seit Ewigkeiten – oder noch nie? – nicht mehr gelesen. Allerdings finde ich es wirklich gelungen. Verschiedene Charaktere werden zusammengebracht und dass durch erstens völlig verschiedene und zweitens teilweise total abstruse Dinge. Die Handlung ist auch nicht zu kompliziert oder so. Eine leichte Lektüre für zwischendurch, wenn man mal wieder in romantischer Stimmung ist. Die Perspektiven sind nicht nur aus Mädchensicht, sondern Wich schreibt auch aus Jungensicht, was sehr sympathisch ist – auch weil es für das Verständnis wichtig ist. Leider wird nicht aus jeder Perspektive geschrieben, wodurch vier Charaktere völlig untergehen, aber das ist nicht so schlimm. Wirklich viel Tiefe darf man nicht erwarten und manche Fragen bleiben offen stehen, aber das stört wirklich kaum(Zumindest ersteres, was die Fragen betrifft: Ich persönlich stelle mir oft sehr viele Fragen. Wer das nicht tut, hat hier also kein Problem). Ich fand das Ende trotzdem befriedigend.

Die Charaktere sind nicht wirklich tief. Es wird bei vielen eher an der Oberfläche gekratzt und man erfährt kaum etwas über sie, besonders die Beweggründe für manche Dinge bleiben oft verborgen. Natürlich muss man sich selbst die Frage stellen, ob bei einem so schlichten Roman eine genauere Charakterausarbeitung überhaupt wichtig ist, aber mir hat es doch ziemlich gefehlt. Ich will nicht spoilern, deswegen werde ich auch kein Beispiel anbringen, aber es gibt genug, was einer Erklärung bedurft hätte und manchmal war es etwas erzwungen, was die Charaktere taten. Möglich, dass Frau Wich sich nicht so gut mit ihren Protagonisten auseinander gesetzt hat. Aber dafür, dass das Buch schon so dünn war, wären noch ein paar Erklärungen sicher nicht schlecht gewesen.

Der Schreibstil war gewöhnungsbedürftig. Was mir direkt aufgefallen ist: Jeder Charakter wird anhand seines Haars beschrieben. Während Mattis im ersten Kapitel im Buch sitzt, erfährt man die Haarfarbe von fast jedem Charakter, der wichtig wird. Und der Rest folgt in anderen Kapiteln. Ich meine, ist ja alles schön und gut, aber etwas eintönig, oder nicht? Außerdem interessiert mich eigentlich nicht, ob Marie blondes oder braunes Haar hat. Ich habe bei den meisten ohnehin schon wieder die Haarfarbe vergessen. Nur bei Haarbeschreibungen, die auch etwas Sinnvolles an sich haben, weiß ich es noch annähernd genau. Ansonsten gibt es sehr viel mehr Beschreibungen als Dialoge, aber das hat mich nicht gestört. Es ist mir im Grunde während dem Lesen gar nicht aufgefallen. Vielleicht war ich ja so vertieft in die Beschreibungen, weil ich mehr Erklärungen wollte? Wer weiß. Flüssig ist Wichs Schreibstil auf jeden Fall und für jüngere Jugendliche ideal, aber wer einen anspruchsvollen Roman will, sollte hiervon die Finger lassen – auch vom Schreibstil her.

Ich hatte kein allzu schlechtes Gefühl nach Beendigung des Buches. Ich hätte gerne mehr gelesen, aber ich war natürlich auch abgeschreckt. Die Handlung war aber so positiv, dass ich, sagen wir neutral, gegenüber diesem Buch stehe. Es veranschaulicht die Pubertät gut. Das muss man wirklich sagen. Ansonsten ist es aber eher ein Flop.

Fazit:
Teenager unter 15 Jahren und Romantiker werden an diesem Buch gefallen finden. Ansonsten würde dazu raten sich ein anderes Buch zu suchen, denn die Handlung ist nicht sehr anspruchsvoll, der Schreibstil auch nicht und die Charaktere sind nicht vertieft genug. Dafür werden das Thema Freundschaft und Liebe aber ganz groß geschrieben und schön verarbeitet.

Gesamt: 2/5

Handlung: 4/5
Charaktere: 1/5
Lesespaß: 3/5
Gestaltung: 2/5
Schreibstil: 2/5
Preis/Leistung: 2/5

Verfasst am: 20.10.2010

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