Samstag, 18. Juni 2016

[Rezension] Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky

Titel: Metro 2033
Band: 1
Autor: Dmitry Glukhovsky
Genre: Dystopie
Erscheinungsdatum: 03.11.2008
Seiten: 784
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-453-53298-4
Originalpreis: 14,00€

Kurzbeschreibung:
Es ist das Jahr 2033. Nach einem verheerenden Krieg liegen weite Teile der Welt in Schutt und Asche. Moskau ist eine Geisterstadt, bevölkert von Mutanten und Ungeheuern. Die wenigen verbliebenen Menschen haben sich in das weit verzweigte U-Bahn-Netz der Hauptstadt zurückgezogen und dort die skurrilsten Gesellschaftsformen entwickelt. Sie leben unter ständiger Bedrohung der monströsen Wesen, die versuchen, von oben in die Metro einzudringen... 
 Dies ist die Geschichte des jungen Artjom, der sich auf eine abenteuerliche Reise durch die U-Bahn-Tunnel macht, auf der Suche nach einem geheimnisvollen Objekt, das die Menschheit vor der endgültigen Vernichtung bewahren soll. 

Meinung:
Das Cover des Romans hält sich sehr zurück und sticht mit der rot-schwarzen Farbgebung aus der Masse heraus. Im Buch finden sich vorne und hinten jeweils eine Metrokarte, die die wichtigsten Informationen enthalten. So fällt es leicht, Artjoms Reise mit zu verfolgen. Erst spät aufgefallen sind mir die Anmerkungen im hinteren Teil des Buches, die bestimmte Begrifflichkeiten erklären, die einem internationalen Leser vielleicht weniger geläufig sind. Es gibt ein Kapitelverzeichnis am Anfang des Buches und die einzelnen Kapitelanfänge sind mit dem Coverbild hinterlegt. Ich fand die Trennung der Kapitel ganz gut gemacht, da man so nicht Gefahr läuft sich selbst zu spoilern und das Buch doch sehr auf Spannungsmomente setzt. Namen von Metrostationen sind außerdem kursiv hervorgehoben, was das Lesen deutlich vereinfacht. Die Kurzbeschreibung finde ich persönlich ausreichend und durchaus aufmerksamkeitserregend. Wieder einmal der Beweis dafür, dass auch wenige Informationen neugierig machen können.

Diese Dystopie hüllt einen sofort in diese grausige Welt ein. Anfangs hatte ich zwar Probleme mit den vielen Informationen, die auf mich einprasselten und dem Merken der Stationsnamen, über die ich beim anfänglichen Lesen öfters stolperte, aber das Buch nahm schnell Fahrt auf und schafft es alle wichtigen Geschichtshintergründe stimmig einfließen zu lassen. Die Atmosphäre ist düster und zum Spüren greifbar beschrieben. In der Metro leben zu müssen und nie ans Tageslicht zu können, das ist ja schon an sich schrecklich, aber dann gibt es überall seltsame Vorkommnisse. Der Roman liest sich sehr zügig und Artjom scheint sich ständig wieder in neue Schwierigkeiten zu bringen. Manchmal hatte er etwas zu viel Glück für meinen Geschmack, aber dennoch war es in Maßen gesät. Was ich sehr interessant fand, war dass das Buch so realistisch geschrieben ist als könnte es einem selbst geschehen. Figuren treten nicht ständig wieder auf, Charaktere, von denen man vielleicht sogar dachte, sie wären wichtig, sterben. Das heizt die Spannung an. Diese wird vor allem durch den psychologischen Effekt erzeugt, nicht durch irgendwelche Gemetzel. Zwischendrin gab es ab und zu mal Szenen, die ich etwas langweilig fand oder mir nicht gefielen, aber bei einem so dicken Wälzer, bei dem ständig etwas passiert, kann einem nicht jede einzelne Szene gefallen. Das Ende fand ich sehr gut gemacht, auch wenn es den Leser vor den Kopf stößt, und der Cliffhanger ist fast schon gemein, aber macht definitiv Lust auf mehr.

Artjom empfand ich persönlich als recht austauschbaren Charakter, aber das unterstützt natürlich das Identifikationspotenzial. Er hat durchaus seine Eigenheiten, aber viel erfährt man nicht über ihn. Dagegen wirken die vielen anderen Charaktere, die auftreten deutlich tiefgründiger ausgearbeitet. Aber dennoch mochte ich Artjom als Perspektivträger. Er war kein nerviger Protagonist und seine Gedankengänge konnte ich meistens gut nachvollziehen. Generell muss man sagen, dass viele der auftretenden Person etwas seltsam sind, aber das liegt wohl an der Welt, in der der Roman spielt. Einige Charaktere wirken sofort sympathisch, an manche muss man sich erst gewöhnen und mit manchen wird man nie warm. Aber das muss man auch nicht.

Der Schreibstil war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, auch wenn er sehr gut zum Stil des Buches passt. Es ist ein recht einfacher Stil, würde ich sagen, der es dem Leser vereinfacht der Geschichte zu folgen. So fällt es nicht schwer mal eben mehrere hundert Seiten am Stück zu lesen. Die russischen Begriffe fand ich an sich nur anfangs störend, aber eher weil ich mir ihren Klang erst einmal einprägen musste. Etwas seltsam fand ich dafür, dass manche Metrostationen übersetzt wurden. Das war zwar oft als Erklärung hilfreich, aber ich hätte es einheitlich schöner gefunden.

Am Anfang war ich noch etwas skeptisch, aber das Buch hat mich letztendlich voll überzeugt. Es ist wahrscheinlich nicht für jeden geeignet. Aber wer sich nicht so schnell gruselt, ist hiermit bestens bedient. Die düstere Atmosphäre ist bemerkenswert gut inszeniert. Es ist keine Lektüre für Zwischendurch, aber voller Spannung und einer Welt besonderer Art.

Fazit: 
Mit diesem Roman ist Dmitry Glukhovsky ein voller Erfolg gelungen. Das Buch lädt in eine düstere Metrowelt im Jahr 2033 ein und führt einem von der einen spannenden Szene zur nächsten. Ich kann das Buch nur jedem ans Herz legen, der Dystopien mag, die weniger auf Liebesgeschichten, aber dafür umso mehr auf Handlung setzen.

Gesamt: 5/5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Gestaltung: 4/5
Schreibstil: 4/5
Preis/Leistung: 5/5

Kommentare:

  1. Hallöchen Gwee,

    eine schöne Rezension ♥
    Mir hat das Buch auch richtig gut gefallen. Besonders die düstere Stimmung konnte Dmitry Glukhovsky meiner Meinung nach einfangen.

    Liebe Grüße und hab einen schönen Samstag ♥
    Charleen

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  2. Danke. Danke für diese tolle Rezension. Jetzt kann ich es kaum noch erwarten. Gestern kam der Metro-Band an. Ein ziemlicher Wälzer, war überrascht. Aber nun bin ich so neugierig. Sobald mein großer Re-Read durch ist, wird das Buch sofort begonnen. :-) Gruß Martin

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    1. Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Vergnügen beim Lesen! Es ist zwar wirklich ein dicker Schinken, aber bevor man es sich versieht, ist man schon wieder 100 Seiten weiter.

      Liebe Grüße,
      Diana

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  3. Hallo Gwee,

    leider hat mir das Buch so überhaupt nicht gefallen. Es war mir zu langatmig und die vielen Informationen und russischen Straßennamen nervten mich. Ich habe es bis knapp zur Hälfte geschafft und dann habe ich abgebrochen, weil für mich einfach keine Spannung aufkam.

    Liebe Grüße
    Steffi

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    1. Huhu Steffi!

      Es ist wirklich schade, dass dir das Buch nicht gefallen hat. Die Handlung und der Schreibstil sind tatsächlich erstmal gewöhnungsbedürftig, aber ich konnte mich da schnell reinfinden und bin schon kurz nach Artjoms Aufbruch an den Lippen des Erzählers geklebt. Die russischen Straßennamen sind wirklich etwas für sich. Ich hab ja selbst mehr mit dem Russischen zu tun, daher stört mich das gar nicht so sehr, aber für eine davon völlig unberührte Person muss das wohl ein wirklicher Stolperstein sein.

      Liebe Grüße,
      Diana

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