Montag, 27. Juni 2016

[Rezension] Die Bestimmung von Veronica Roth

Titel: Die Bestimmung
Band: 1
Autor: Veronica Roth
Genre: Dystopie, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 19.03.2012
Seiten: 480
Verlag: cbt
Format: Hardcover
ISBN-13: 978-3-570-16131-9
Originalpreis: 17,99€

Kurzbeschreibung: 
Fünf Fraktionen, fünf verschiedene Lebensformen sind es, zwischen denen Beatrice sich entscheiden muss, als sie sechzehn wird. Sie weiß: Es ist die wichtigste Wahl ihres Lebens, denn sie entscheidet über ihre Familie, ihre Freunde, ihre Feinde.
Doch der Test, der über Beatrices innere Bestimmung Auskunft geben soll, zeigt kein eindeutiges Ergebnis. Sie ist eine Unbestimmte. Die aber gelten in der Welt, in der sie lebt, als hoch gefährlich…

Meinung: 
Das Buch ist ein typisches Hardcover, allerdings ohne Schutzumschlag, was mich persönlich nicht gestört hat. Das Cover ist schön stimmig und originell. Die Aufmachung ist an sich sehr schlicht und dadurch nicht aufdringlich oder störend. Die Kapitel sind übersichtlich unterteilt. Das einzige, was im Nachhinein vielleicht schön gewesen wäre, ist eine Karte der Fraktionsgebiete, um sich besser orientieren zu können. An sich ist es nicht schwer einen groben Plan im Kopf zu formen, aber ein offizieller Plan wäre trotzdem schön gewesen. So bleibt die Welt ein bisschen abstrakt zurück. Die Kurzbeschreibung finde ich durchaus ansprechend. Heutzutage würde das Buch vielleicht in der breiten Masse an Dystopien untergehen, aber als es rauskam, war die Beschreibung noch innovativ. Und ich war schon immer dafür: Lieber wenige, aber auf den Kern gebrachte Informationen als so viele, dass man das Buch gar nicht mehr zu lesen braucht.

Dieser Dystopie gelingt es spielend einfach den Leser in ihre Welt zu ziehen und das System zu verstehen. Das liegt vermutlich daran, dass es keine komplizierten Regeln gibt, sondern das System auf einigen wenigen Prinzipien basiert. Schon in den ersten Kapiteln lernt der Leser anschaulich etwas über die verschiedenen Fraktionen. Was mir richtig gut gefällt, ist die Tatsache, dass die Fraktionen nicht einfach in Frage gestellt werden und der Konflikt an einem ganz anderen Punkt greift. Normalerweise geht es immer darum, dass eine Protagonistin merkt, wie falsch die Welt, in der sie lebt, ist, aber Tris weiß zwar, dass die Ferox sehr fragwürdige Ideale verfolgen, aber am Fraktionensystem selbst zweifelt sie kein bisschen und das ist etwas Neues. Generell verläuft der Plot sehr zielgerichtet und handlungsgetrieben. Es passiert immer etwas und es wird auch nicht an Brutalitäten ausgespart. Dadurch werden die Geschehnisse greifbarer. Es gibt viele Kämpfe und Mutproben zu bewältigen. Das Thema hinter dem Roman hat mir auch sehr gefallen. Es geht um die verschiedenen Tugenden, die die Menschen besitzen. Leider können sich Tugenden aber auch in Laster verwandeln und dies wird hier aufgezeigt, der schmale Grat zwischen Tugend und Laster, zwischen richtig und falsch. Zwischen verschiedenen Extremen.

Tris ist eine sehr sympathische Identifikationsfigur. Durch ihre altruistische Herkunft ist sie noch recht ungeformt in ihrem Charakter und so fällt es sehr leicht ihren Gedanken zu folgen und sich in sie hineinzuversetzen. Aber sie ist dennoch kein flacher Charakter, ganz im Gegenteil. Ihre Ängste und Hoffnungen machen sie zu einer glaubhaften Figur, so wie es auch die anderen sind. Jeder hat eine innere Motivation und manchmal sind es vielleicht nur grobe Stereotypen, aber in einem Buch wie diesem passt das auch. Immerhin versuchen alle zu leben wie Stereotype. Ich mochte vor allem, dass ich keinen der Charaktere durchgehend sympathisch fand. Alle haben ihre Macken und wirken dadurch umso realistischer, wie aus dem Leben gegriffen.

Ich habe selten ein Buch gelesen, dass sich so schnell liest. Der Schreibstil ist nicht nur flüssig, die kurzen Kapitel erhöhen das Tempo, die vielen Handlungen folgen Schlag auf Schlag aufeinander und geben nur wenige Ruhemomente. Oft enden Kapitel in spannenden Cliffhangern und ehe man es sich versieht, liest man einfach weiter. Die Handlung wird außerdem mit Tris‘ Gedanken unterlegt, die aber in keinem Moment zu viel sind, sondern immer das richtige Maß haben und nicht abschweifen, sondern punktuell die Geschichte voranbringen. Normalerweise bin ich kein Fan der Ich-Perspektive, aber hier liest es sich so locker weg, dass es einem kaum auffällt – und da in diesem Roman sehr mit Gefühlen jongliert wird, passt es auch gut.

Ich bin absolut begeistert von diesem Buch. Es ist ein sehr starker Auftakt für eine dystopische Reihe. Ich habe das Buch schon damals kurz nach Erscheinen gelesen und war hin und weg. Später sind mir die Bücher leider abhandengekommen, aber der drängende Wunsch kam wieder in mir auf sie erneut zu lesen. Das kann ich nur von wenigen Büchern behaupten. Und es war ein Genuss erneut in die Welt von Tris zu schlüpfen, mit ihr eine Fraktion zu wählen und zu versuchen die Initiation zu überstehen.

Fazit:
Ich kann diese Dystopie guten Gewissens weiter empfehlen. In ihr steckt alles, was das jugendliche (und vielleicht auch erwachsene) Herz begehrt: Extrem viel Action, ein Hauch von Liebe, viel Humor und eine Prise Philosophie. Und vor allem der Ernst der Welt, packend und fesselnd.

Gesamt: 5/5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Gestaltung: 4/5
Schreibstil: 5/5
Preis/Leistung: 5/5

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