Mittwoch, 1. Juni 2016

[Rezension aus dem Archiv] Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher

Titel: Tote Mädchen lügen nicht
Autor: Jay Asher
Genre: Realistischer Roman, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 20.09.2010
Seiten: 288
Verlag: cbt
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3570307342
Preis: 9,99€€

Kurzbeschreibung:
Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 13 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf „Play“ – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon ...

Inhalt:
Clay bekommt ein Paket zugeschickt. Darin sind 13 Kassetten und sie sind von Hannah Baker, die sich erst kürzlich umgebracht hatte. In den Kassetten gibt sie 13 Personen die Schuld an ihrem Tod und jede Kassette ist einer dieser Personen gewidmet. Während Clay Hannahs Geschichte zuhört, geht er durch die Straßen und sucht die wichtigsten Orte auf, die zu ihrem Selbstmord führten. Und natürlich fragt er sich, warum ausgerechnet er an ihrem Tod Schuld ist, was er getan hat. Ist er gar die Nummer 13, die Hannah direkt am Anfang schon verpönt? Mit der Zeit kommen schlimme Geheimnisse auf und Clay beginnt zu verstehen.

Erster Satz:
"Sir?", wiederholt sie. "Wann soll das Paket ankommen?"

Meinung:
Das Cover ist mir sofort entgegen gesprungen. Schwarz und Grün auf knalligem Rot. Wirklich toll finde ich die grünen Striche, 13 Stück. Genau passend und auf der Rückseite wurde ein kleiner Text mit den Kassettentasten geschrieben, also das Stop- und Playsymbol und so. Das finde ich auch witzig und die Kassette, die daneben abgebildet ist, darf natürlich auch nicht fehlen. Der Klappentext ist einwandfrei und gibt die Handlung eigentlich auch sehr gut wieder, dazu bräuchte man nicht einmal ins Buch auf die erste Seite gucken, wo bekanntlich immer die ausführlicheren Kurzbeschreibungen stehen. Ein „Der Spiegel Bestseller“-Aufkleber ist auch drauf, –jedenfalls auf meinem Exemplar. Auch der Titel an sich macht neugierig und ist schön groß gedruckt. Nicht zu übersehen. Auf der letzten Seite stehen Informationen zum Autor und auf der 2. steht, wie Asher dazu kam, das Buch zu schreiben. Außerdem sind dort noch Kommentare von Zeitungen und Internetseiten abgedruckt. Die Kapitel sind in Kassetten unterteilt. Für jede Kassettenseite ein Kapitel. Das führt natürlich dazu, dass sie Kapitel teilweise recht lang sind, aber es gibt auch die Stop-, Pause- und Playsymbole, die oft genug vorkommen. Hannahs Stimme ist kursiv gedruckt, alles andere normal. Die Absätze sind einfach und kurz und die Größe passt sehr gut.

Die Handlung ist schon spannend. Der Leser fragt sich natürlich, warum Hannah sich umgebracht hat, was Clay damit zu tun hat, was die anderen damit zu tun haben,… Hannah erzählt, was all die Leute ihr angetan haben, erzählt ihre Geschichte von Anfang an, als sie in die Stadt zog, denn um die Zeit begann schon alles. Tatsächlich, wie Hannah auch immer betont, sind viele unterschiedliche Ereignisse mit anderen eng verwoben und das Thema Selbstmord wird schön verarbeitet. Man bekommt hier einmal einen Einblick, wie es selbstmordgefährdeten Menschen geht, dass man es nicht immer merkt und wie einfach Dinge sein können, die zum Selbstmord treiben. Was der eine als nicht tragisch betrachtet, findet der andere schrecklich. Ein Problem hatte ich mit dem Übergang von Hannah zu Clay. Von Clays Handlungen habe ich eher am Rande Notiz genommen, da in der Gegenwart des Buches kaum etwas passiert. Nur ständig fragt er sich, was die anderen denken, wenn sie ihn so verstört sehen. Und er erinnert sich an seine und Hannahs „Geschichte“. Hannahs Erzählungen sind da schon spannender. Zu kurz war mir das alles aber eigentlich auch. Alles geht so schnell. Was wiederum positiv ist, ist, dass man mit Clay mitleidet, weil man Hannahs Selbstmord nicht rückgängig machen kann.

Die Charaktere sind teilweise ausgefeilt, teilweise nicht. Das kommt natürlich darauf an, wie oft sie vorkommen. Die meisten werden eher auf ihre Handlungen reduziert. Hannah und Clay bieten natürlich nicht viel Platz, um nicht wie sie zu urteilen, denn man hört ja nur ihre Sicht der Dinge und ist nicht am Geschehen beteiligt. Nur manche tauchen auch mal lebendig im Buch auf und reden mit Clay. Clay an sich ist meiner Meinung nach auch nicht ausgereift genug. Natürlich war es schwierig, seinen Charakter gut mit einzubringen, aber es ist einfach zu wenig. Ich meine, manchmal denkt Clay, während Hannah groteske Dinge sagt, irgendetwas total harmloses, was manchmal nichts damit zu tun hat, manchmal, wenn es eher harmlos zugeht, hat er plötzlich einen Zusammenbruch. Hannah ist natürlich schon viel ausgereifter, aber man erfährt auch nicht alles über sie, aber es ist zufriedenstellend. Wenn man mehr auf die Handlung als auf die Charaktere an sich fixiert ist, reicht Hannahs Charakterausarbeitung aus, Clays meiner Meinung nach noch nicht. Aus ihm hätte man deutlich mehr machen können. Irgendwie ist immer noch alles so verschwommen geblieben. Ganz klare Konturen gibt es nicht. Warum sich der und der so und so verhalten hat, wird größtenteils nicht aufgeklärt – ist aber natürlich oft auch logisch.

Mit dem Schreibstil kam ich wegen den Übergängen nicht so gut zurecht. Auch wird alles wieder so schwach erzählt. Man hätte deutlich mehr Spannung erzeugen können und dadurch, dass Hannah alles erzählt – undman kennt die Folge von allem ja ohnehin – ist es schon schwierig, den Leser in den Bann zu ziehen, aber durch Clay hätte man mehr Akzente setzen können. Hannah erzählt in den Kassetten nicht spannend, sondern informierend. Das gehört so und ist ein Problem. Ansonsten gibt es natürlich sehr viel wörtliche Rede, wenn man Hannahs Part so nennen möchte. Clay denkt mehr. Man kommt leicht hinterher und es gibt auch keine verwirrenden oder unlogischen Stellen. Die erste Hälfte des Buchs habe ich auf einmal gelesen, dann fehlte mir die Spannung.

Gefallen hat mir das Buch mittelmäßig. Ich hatte – allein wegen den vielen guten Meinungen – mehr davon erwartet, aber meine Anforderungen wurden nur zum Teil befriedigt. Ich weiß nicht recht. Es ist einfach, dass dieses Buch einerseits das Thema Selbstmord gut darstellt, aber die Art wie es erzählt wird, passt nicht ganz dazu. Und doch würde ich das Buch durchaus noch einmal lesen.

Fazit:
So spannend ist das Buch gar nicht, aber wer gerne mal ein gutes Buch lesen möchte, in dem es um Selbstmord geht, ist hier sicher nicht falsch. Viele Probleme, die Jugendlichen passieren können, werden aufgegriffen und machen diesen Roman zu etwas, worüber man im Nachhinein vielleicht auch noch nachdenkt.

Gesamt: 3/5

Handlung: 4/5
Charaktere: 2/5
Lesespaß: 3/5
Gestaltung: 5/5
Schreibstil: 2/5
Preis/Leistung: 3/5

Verfasst am: 14.10.2010

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